Hauptseite  /   Suche und Links  /   Philosophie und Autorin dieser Seite

erste Version: 6/2012
letzte vollständige Überarbeitung: 2/2018
letzte Bearbeitung: 2/2018

VA145.

Überforderte Therapeuten und ihre Fehler

Inhalt

VA145.1 Kersti: Überforderte Therapeuten?
VA145.2 Kersti: Therapeutenfehler: Woran erkenne ich, daß mein Therapeut überfordert ist?
VA145.2.1 Kersti: Einleitung: Die typischen Fehler überforderter Therapeuten
VA145.2.2 Kersti: Warum man nicht ständig betont, daß der Patient krank ist
VA145.2.3 Kersti: Warum Vertrauen und glauben nicht verlangt werden darf
VA145.2.4 Kersti: Warum Patienten Lösungsvorschläge immer wieder ablehnen müssen
VA145.2.5 Kersti: Der Therapeut unterstellt seinem Patienten, er wolle nicht gesund werden
VA145.2.5 Kersti: "Nein, meinem Therapeuten erzähle ich das nicht!"
VA145.2.5 Kersti: Unangenehme Patienten - und die Schuldzuweisung an dem Patient
VA145.2.5 Kersti: Dazu braucht man eine Trauma-Reinkarnations-Therapie
VA145.2.6 Kersti: Gut gemeint ist nicht gut gemacht
VA145.2.7 Kersti: Unangemessene emotionale Reaktionen
VA145.3 Kersti: Gründe für Überforderung: Behandlungsfehler, Mitleid, Probleme des Therapeuten, Grenzüberschreitungen des Patienten und intellektuelle Überforderung
VA145.3.1 Kersti: Gründe der Überforderung
VA145.3.2 Kersti: Behandlungsfehler, ihre Diagnose und wie man daraus lernt
VA145.3.3 Kersti: Mitleid
VA145.3.4 Kersti: Aktuelle Sorgen des Therapeuten
VA145.3.5 Kersti: Grenzen setzen
VA145.3.5 Kersti: Wenn die Ich-Botschaft nichts bringt, ergreife ich Maßnahmen
VA145.3.6 Kersti: Intellektuelle Überforderung
VA145.4 Kersti: Ein überforderter Therapeut sollte ein Vorbild darin sein, wie man mit Überforderungssituationen und eigenen Fehlern richtig umgeht
VA145.4.1 Kersti: Vorbildlich sein im Schwächen zugeben und Lösungen für den Umgang mit schwächen finden
VA145.4.2 Kersti: Behandlungsfehler, ihre Diagnose und wie man daraus lernt
VA145.5 Kersti: Was mache ich, wenn mein Therapeut überfordert ist?
VA145.6 Kersti: Warum reagieren Therapeuten so unangemessen, wenn sie überfordert sind?
VA145.6.1 Kersti: Das zum Familientherapeuten erzogene Kind
VA145.6.1 Kersti: "Bin ich undankbar?"
VA145.6.2 Kersti: Wenn Menschen Gleichrangige zwingen als Therapeut aufzutreten
VA145.6.2 Kersti: Wir akzeptieren dich nur, wenn du uns therapierst
VA145.6.3 Kersti: Das Helfersyndrom: Krankhafte Muster bei dem Versuch, anderen zu helfen
VA145.7 Kersti: Warum reagieren Therapeuten so unangemessen, wenn sie überfordert sind?
VA145. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Überforderte Therapeuten?

Das erste mal als ich davon hörte, daß Therapeuten so überfordert sein können, daß sie eine Therapiesitzung nicht sinnvoll fortsetzen können, handelte davon, wie im Option-Institut damit umgegangen wird.
"Im Option-Institut1. kann es durchaus vorkommen daß ein Mentor (=Therapeut) sich entschuldigt, bei ihm wäre ein eigenes Problem hochgekommen und er müßte erst einmal selbst einen Option-Dialog machen." erzählte mir meine Tante.
Ich dachte mir nur "Aha, interessant." mir war aber nicht bewußt, daß das Option-Institut damit etwas lehrte, das sehr wichtig ist und das die meisten Therapeuten nicht lernen. Auch die Ausbildung dort besteht im Wesentlichen darin, daß der Lehrer sich auf Band aufgenommene Option-Dialoge anhört und mit den Mentor in Ausbildung zu jedem Fehler im Dialog einen eigenen Option-Dialog macht, so daß alle während Option-Dialogen typischerweise bei diesem angehenden Mentor hochkommenden Probleme im Rahmen der Ausbildung aufgearbeitet werden.

Damit sind nätürlich längst nicht alle Probleme aufgearbeitet, die der angehende Mentor überhaupt hat.
VB95.8 Kersti: Gibt es Leute, die schon all ihre Probleme aufgearbeitet haben?
Es wird jedoch eingeübt, was man mit solchen Problemen macht und woran man sie erkennt: Man erkennt eigene psychische Probleme daran, daß man selbst eine strukturell einfache Therapiemethode nicht mehr richtig anwenden kann. Option ist nämlich so einfach, daß fast jeder Patient bei der dritten Sitzung schon so genau weiß, wie sie funktioniert, daß er die Fragen des Mentors meist vorhersehen kann. Schwierig ist es nur die richtige geistige Haltung einzuüben, um tatsächlich auch immer geistig entspannt, bei der Sache und bei dem Patienten zu bleiben.
VB95.2 Kersti: Zwei Methoden, die therapeutische Haltung zu lernen: Therapeutische Aufarbeitung der Fehler und Drills, um willentlich in der therapeutischen Haltung zu bleiben

 
Inhalt

2. Therapeutenfehler: Woran erkenne ich, daß mein Therapeut überfordert ist?

2.1 Einleitung: Die typischen Fehler überforderter Therapeuten

Da ein Therapeut überfordert ist, erkennt man daran, daß er gehäuft therapeutische Fehler macht.
  1. Er betont plötzlich ständig, daß er ja der Therapeut und der Patient krank sei
  2. Er verlangt, daß der Patient ihm jetzt vertrauen und glauben müsse
  3. Er verletzt die Privatsphäre des Patienten und mischt sich in Entscheidungen ein, die der Patient selbst treffen sollte
  4. Der Therapeut reagiert gekränkt, wenn Lösungsvorschläge für Probleme des Patienten abgelehnt werden
  5. Der Therapeut unterstellt seinem Patienten, er wolle nicht gesund werden
  6. Der Therapeut betont ständig daß er es doch gut meine
  7. Der Therapeut zeigt unangemessene emotionale Reaktionen
Im Allgemeinen sind diese Fehler kränkend und verletzend. Wenn man sich ständig durch den eigenen Therapeuten gekränkt oder verletzt fühlt, gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: Übertragung oder therapeutische Fehler. Wenn es ein guter Therapeut ist, wird der Therapeut darauf reagieren, indem er das Gefühl der Verletztheit selbst zum Gegenstand eines therapeutischen Gesprächs macht und sich für Fehler - so er welche gemacht hat - entschuldigt.

Wenn ihn die Situation überfordert, wird er auf Übertragung mit einer sogenannten Gegenübertragung reagieren und wütend werden, wenn man ihn auf seine Fehler aufmerksam macht. Wenn das geschieht, macht es wenig Sinn, dieses Thema mit ihm zu besprechen. Wenn er bei vielen Themen so reagiert, ist er der falsche Therapeut.

 
Inhalt

2.2 Warum man nicht ständig betont, daß der Patient krank ist

Zunächst einmal ist das völlig unnötig. Eine Person, die sich von sich aus an einen Therapeuten wendet, um ein Problem zu lösen, weiß bereits daß sie ein Problem hat. Das reicht grundsätzlich aus, um die Mitarbeit beim Thema sicherzustellen. Wenn ein Patient nicht bei der Therapie mitarbeitet, hat das andere Gründe, als ein Fehlen der Erkenntnis, daß es da ein Problem gibt.

Als zweites sollte man in einer Therapie nicht lernen dem Therapeuten nach dem Munde zu reden, sondern selber ein mündiger Bürger zu werden, der kompetent darin ist seine Konflikte mit seinen Mitmenschen so zu klären, daß alle damit zufrieden sein können. Der Therapeut sollte hier als Modell zum einüben nicht verletzender, gleichberechtigter Kommunikation dienen. Auch wenn sich der Patient in der geschlossenen Psychiatrie befinden sollte, damit er sich nicht selbst in Gefahr bringt, sollte ein Therapeut ihn behandeln, als wäre er gesund, weil der Patient nur so gesundes gleichberechtigtes Verhalten einüben kann.

Im übrigen ist eine solche Selbstdarstellung als perfekter Therapeut gewöhnlich auf Verdrängung eigener Probleme des Therapeuten zurückzuführen.
VA241.1.8 Kersti: Sich für problemfrei erklären als Verdrängungsmechanismus
VA241.1.9 Kersti: Andere für minderbemittelt oder verrückt erklären als Verdrängungsmechanismus

 
Inhalt

2.3 Warum Vertrauen und glauben nicht verlangt werden darf

Autor: Jennifer J. Freyd belegt in ihrem Buch " Buch: Betrayal Trauma anhand wissenschaftlicher Studien, daß gerade der Verrat, der Mißbrauch von Vertrauen, der zentrale Grund für Verdrängung ist und das zentrale Thema eine Traumas ist2.. Dieselbe Behauptung ist auch das zentrale Thema von mehreren Büchern, die Autor: Alice Miller geschrieben hat und die sie mit konkreten Beispielen belegt3.; 4.; 5..

Menschen, die schwerwiegende psychische Probleme haben, haben gewöhnlich eine ganze Menge verschiedene Probleme mit dem Thema Vertrauen.

Dazu könnte zählen

Herauszufinden, was gesundes Vertrauen ist und wann Mißtrauen angebracht ist, ist daher Gegenstand der Therapie. Wer Vertrauen fordert, statt dem Patienten zu helfen, die Gründe für sein Mißtrauen angstfrei zu erforschen, bis er sich klar ist, welcher Teil seines Mißtrauens auf reale Fehler in der Therapie zurückgehen, die korrigiert werden müssen und welcher Teil eine Projektion ist, die auf vergangene schlechte Erfahrungen zurückgeht und nichts mit dem hier und jetzt zu tun hat, verstärkt das erste Problem, daß der Patient es nicht wagt, seine schlechten Erfahrungen zu nutzen, um weitere schlechte Erfahrungen zu meiden, weil darauf verstoßen aus zentral wichtigen Beziehungen als Strafe steht.

Um dazu überhaupt in der Lage zu sein, muß sich der Therapeut sich über mehrere Dinge immer vor Augen zu halten

 
Inhalt

2.4 Warum Patienten Lösungsvorschläge immer wieder ablehnen müssen

Wenn man genau nachfragt, zeigt sich in so einem Fall normalerweise, daß der der den Ratschlag gegeben hatte, etwas nicht wußte, das bewirkt, daß der Ratschlag nicht umsetzbar ist oder daß der geringe Erfolg den Aufwand nicht rechtfertigen würde.
V172. Kersti: Ein echt guter Rat

 
Inhalt

2.5 Der Therapeut unterstellt seinem Patienten, er wolle nicht gesund werden

Tatsächlich kommt es vor, daß Patienten, so etwas über sich selbst sagen - doch wenn jemand beispielsweise sagt, daß er lieber sterben wolle als sich mit seinem psychischen Problem zu befassen, um gesund zu werden, ist das vor allem eine Aussage, darüber, wie sehr er sich vor diesem Problem fürchtet. Er braucht dann Ermutigung, nicht Vorwürfe, um den Mut zu finden, sich dem Problem zu stellen.

Im allgemeinen reagieren Patienten auf Therapeutenfehler, indem sie immer weniger über ihre Probleme erzählen, bis zu einer völligen Verweigerung der Therapie.

Beispielgeschichte, Kersti:

"Nein, meinem Therapeuten erzähle ich das nicht!"

Eine bisher unbekannte Frau rief mich an und erzählte mir beim ersten Gespräch innerhalb weniger Stunden diverse in ihrer Lebensgeschichte wichtige Erfahrungen, von denen einiges von tabubeladenen Themen handelte, wie Abtreibungen und spirituelle Erfahrungen. Ich hörte ihr aufmerksam zu und stellte Rückfragen. Gegen Ende erzählte sie daß sie auch schon eine längere Therapie gemacht hätte. Neugierig fragte ich sie, ob sie das alles denn auch ihrem Therapeuten erzählt hätte.
"Nein, meinem Therapeuten erzähle ich das nicht!" kam wie aus der Pistole geschossen.
"Na wenn sie all diese wichtigen Themen ihrem Therapeuten verschweigt, dann kann bei der Therapie ja nicht allzuviel herausgekommen sein." dachte ich mir und fragte mich, wie der Therapeut es geschafft hatte, in einer jahrelangen therapeutischen Beziehung so oft das Signal zu geben, daß ein Thema nicht akzeptabel ist, daß so viele wichtige Themen ausgeklammert geblieben sind.
Aus der Sicht des Therapeuten wirkt das anders:
Beispielgeschichte, Kersti:

Unangenehme Patienten - und die Schuldzuweisung an dem Patient

Es gibt angenehme Patienten - solche die mit der Behandlung ihres Arztes zufrieden sind und auch brav nach Zeitplan wieder gesund werden - oder die zumindest so tun als ob sie die Behandlung brav mitmachen und sie für eine gute Behandlung halten.

Und es gibt unangnehme Patienten - solche die eine Krankheit haben, bei der man ihnen nicht helfen kann und die diese Krankheit auch nicht auf sich beruhen lassen können, weil sie immer schlimmer wird oder sie ständige Schmerzen haben, die nicht oder nicht ausreichend auf Schmerzmittel ansprechen und deshalb von Arzt zu Arzt rennen, selber alles lesen, von dem sie meinen, daß es ihnen bei der Lösung ihres Problems helfen könnte.

Natürlich haben diese unangenehmen Patienten recht mit dem, was sie tun, doch der durchschnittliche Arzt, hat ein Problem mit ihnen. Sofern der unangenehme Patient in etwa so intelligent ist wie der Arzt, weiß er spätestens nach einem Jahr mehr über die verschiedenen Methoden, mit der seine Krankheit von verschiedenen Leuten behandelt wird, als der Arzt. Das kann gar nicht anders sein, denn ein Arzt muß viele verschiedene Krankheiten behandeln, der Patient hat nur eine einzige, die ihm richtige Probleme bereitet.

Interessant ist jedoch etwas, das solche unangenehmen Patienten häufig gesagt bekommen, nämlich "Das ist psychosomatisch.", "Was ist dein Krankheitsgewinn?" und "Du willst doch gar nicht gesund werden!". Wenn das mit einem Hinweis auf einen Therapeuten verbunden wäre, der erfolgreich körperliche Krankheiten auf psychotherapeutischem Wege behandelt, wäre das ja durchaus hilfreich und würde sicher von den Betroffenen meist ausprobiert. Ich habe einige Zeit oft mit jemanden in Partnerarbeit psychotherapeutische Sitzungen gemacht, der immer wieder auch schwere körperliche Krankheiten auf psychotherapeutischem Wege geheilt hatte.

Typischerweise gibt es jedoch keine derartigen hilfreichen Vorschläge, sondern diese Sätze kommen als Vorwürfe oder Ausrede des Arztes, warum er nichts machen kann und als Schuldzuweisungen an den Patienten, er wäre ja selber schuld! Man hat beinahe den Eindruck, der Arzt würde direkt von dem was er beobachtet: Ein Patient wird nicht gesund - auf seine Absichten schließen - er will nicht gesund werden, obwohl dessen tatsächliches Verhalten dem widerspricht.

Im Falle einer Psychotherapie ist das Problem natürlich psychisch. Aber eine Beziehung mit einem Alkoholiker wo beide Partner weder miteinander noch ohne einander können, ein schweres Alkoholproblem, eine Depression, und andere ebenso schwerwiegende Probleme können im Prinzip denselben Effekt hervorrufen, wenn eine Behandlung keinen Erfolg bringt.

Und was man nie vergessen sollte: Wenn Dir ein Therapeut erklärt, Du wärest unheilbar, such Dir einen anderen! Der Therapeut hat Dir damit nur mitgeteilt, daß er völlig überfordert ist. Und das kann ihm in der Psychotherapie nur passieren, wenn er selber ähnliche verdrängte Probleme hat wie Du, an die er sich nicht herantraut.

Beispielgeschichte, Kersti:

Dazu braucht man eine Trauma-Reinkarnations-Therapie

Einer meiner Patienten erzählte mir, daß er pädophile Neigungen hatte. Er konnte es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, sie in dieser pädophilen Form auszuleben, aber als Sexualpartner kamen für ihn daher nur Personen in Frage, die jugendlich aussahen und und außerdem noch ein ganz bestimmtes Aussehen, bestimmte Kleidung, bestimmtes Verhalten hätten, aber tatsächlich erwachsen waren. Er sagte einmal sehr emotional "Das ist ein Lebensverhinderungsprogramm!"

Außerdem war für ihn erschreckend in welchem Maße das Thema ihn im Griff hatte. Er erinnerte sich, wie er bei mehr als einer Gelegenheit wie hypnotisiert hinter einem Jungen oder Mädchen hergelaufen war, ehe ihm auffiel was er da tat und er sich unterbrechen konnte. Er meinte: "So etwas geht ja gar nicht!"

Er erzählte auch, daß ihm einmal ein Therapeut gesagt hätte, er müsse ihn leider enttäuschen, er hätte sich die Literatur angesehen. Es gebe keine Methode, mit der man pädophile Neigungen so behandeln könne, daß sie verschwinden. In den Beschreibungen meines Patienten war diese Person ein offensichtlich sehr kompetenter Therapeut, der ihm sehr weitergeholfen hatte.
Mich beeindruckte diese Aussage nicht, denn meiner Ansicht nach gibt es keine unheilbaren Probleme. Da ich mit dem Thema bisher keine eigenen Erfahrungen hatte, würde man wahrscheinlich länger suchen müssen, bis man den Knackpunkt findet, aber wenn man hartnäckig genug ist, findet sich die Ursache des Problems und die Lösung.

Zu einer andere Gelegenheit sagte mein Patient mir:
"Ich kann mir nicht ernsthaft wünschen, daß das verschwindet, denn das sind die stärksten positiven Gefühle, die ich kenne."
Ich erklärte ihm daraufhin, daß eine Therapie nicht bewirkt, daß die positiven Gefühle schwächer werden, sondern daß er, wenn er das Problem aufarbeitet diese Gefühle in mehr unterschiedlichen Situationen erleben kann.

Irgendwann fiel mir, als er beschrieb, was er im Kopf hatte, dieser Fetisch, der seine sexuellen Gefühle auslöste, sich verhielt wie die zentralen Bilder, die für mich der Anstoß zum schreiben meiner Fantasygeschichten gewesen waren. Später hatte ich dann im Laufe des Ausfarbeitens herausgefunden, daß jedes dieser Bilder eine traumatische Erinnerung aus einem früheren Leben war, das ich wohl unbewußt hatte aufarbeiten wollen, indem ich diese Geschichte schreibe.

Nachdem ich ihm das so gesagt hatte, bearbeiteten wir im Laufe von Jahren diverse traumatische Erfahrungen aus verschiedenen früheren Leben. Dann zeigte sich allmählich, daß die sexuellen Gefühle auch an Stellen auftraten, wo es sie früher nicht gab.

Damit war mir dann natürlich auch klar, warum der vorhergehende Therapeut, der Psychotherapie nur auf dieses Leben bezogen machte, nicht bekannt sein konnte, daß sich das heilen läßt. Wenn traumatische Erfahrungendie sexuellen Erlebnisse auf ein so kleines Fenster eingeeng haben, ist das ein schwerwiegendes Problem, daß sich aus diversen Treilproblemen, die mit traumatischen erfahrungen verbunden sind zusammen setzen und um es zu lösen, muß man zumindest einen erheblichen Teil dieser Erfahrungen aufgearbeitet haben. Dazu braucht man eine Trauma-Reinkarnations-Therapie. Mit wenigen bemerkenswerten Ausnahmen kamen die Bücher zur Traumatherapie erst in den 2000er Jahren heraus und sind bis heute umstritten. Die Reinkarnationstherapien sind überhaupt nicht Teil der etablierten Psychotherapie. Und Menschen die beides wirklich beherrschen, gibt es vielleicht zehn bis 20 in Deutschland, die vom Rest der Welt vielleicht als verrückte Freaks angesehen werden.

Ein Grundlegende Erkenntnis aus dieser Geschichte zur Psychotherapie und anderen ähnliche Geschichten zu anderen psychischen oder körperlichen Problemen ist folgende: Wenn die etablierte Medizin oder die etablierten Psychotherapien keine Lösung für das eigene Problem anbieten und es deshalb dort als unheilbar gilt, dann gehe man möglichst viele, in der Weltanschauung möglichst weit abweichende alternative Systeme durch und prüfe nach, ob die eine Lösung anbieten. Da das Weltbild jeweils nur eine Modellvorstellung ist, ist es zwar im Alltag eine gute Richtschnur, denn wenn es das nicht wäre, wäre es verworfen worden. Bei Situationen oder Phänomenen außerhab des üblichen Erfahrungsbereiches, ist es aber oft fehlerbehaftet und kann sogar völlig falsche Ergebnisse liefern. Daher ist es sinnvoll, einfach mal zu schauen was auf anderen Weltbildern beruhende Methoden für Lösungen anbieten und ob diese sich bewährt haben.
VB50. Kersti: 3. Skeptizismus oder die generelle Unsicherheit von Weltbildern
VB136. Kersti: Der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft
Meist gibt es in irgendeinem versteckten Winkel der Welt tatsächlich eine Lösung für das Problem. Dabei ist es durchaus wichtig, im Blick zu behalten ob die etablierte Medizin vor Gefahren bestimmter Methoden warnt. Aber wenn sie keine konkrete, klar nachweisbare Gefahr dingfest machen kann, sind Experimente durchaus angebracht.

 
Inhalt

2.6 Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Wie er es meint, ist in der Therapie irrelevant, wesentlich ist, ob es jetzt gerade weiterhilft.
Vergleiche hierzu auch:
VA98. Kersti: Tonstufe Mitleid

 
Inhalt

2.7 Unangemessene emotionale Reaktionen

Beispielgeschichte, Kersti:

Ein Nachbar einer Bekannten war im Laufe der vorhergehenden Wochen

 
Inhalt

3. Gründe für Überforderung

3.1 Gründe der Überforderung

Psychotherapeuten gleich welcher Couleur, Ärzte, Heilpraktiker und Geistheiler kommen alle immer wieder in Situationen, die schwierig sind. Die wichtigsten Gründe sind
  1. Der Therapeut macht Fehler in der Behandlung und hat deshalb ständig Mißerfolgserlebnisse, bis er selbst sich schließlich überfordert fühlt.

  2. Der Therapeut leidet sehr mit, da er einen Patienten hat, dem es sehr schlecht geht, und dem er nicht so sehr helfen kann, daß für diesen das Leben auch nur erträglich wird. Es kann dabei um körperliche Schmerzen gehen, gegen die kein Schmerzmittel austreichend hilft, um soziale Probleme, wie daß der Patient sieht wie ein Familienmitglied sich selbst zugrunderichtet und er nichts gegen tun kann, um unerträgliche Angstzustände. In jedem dieser Berufe sieht man viel Leid und kann nicht immer etwas dagegen tun. Er braucht deshalb etwas mehr Abstand vom Patienten und Supervision.

  3. Persönliche Probleme des Therapeuten drängen sich ständig in den Vordergrund, so daß der Therapeut sich nicht auf den Patienten konzentrieren kann. Der Therapeut ist deshalb nicht in der Lage seine Arbeit zu tun.

  4. Ein Patient fordert wesentlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit, als der Therapeut ihm widmen kann und es ist kaum möglich, ihm klar zu machen, daß auch ein Therapeut Zeit für Essen, zum Schlafen und ein Privatleben braucht, um nicht selber krank zu werden. Der Therapeut muß also seine Grundbedürfnisse gegen Übergriffe des Patienten verteidigen

  5. Der Therapeut ist intellektuell überfordert

 
Inhalt

3.2 Behandlungsfehler, ihre Diagnose und wie man daraus lernt

Behandlungsfehler, die zu Mißerfolgen und schließlich dazu, daß ein Therapeut sich überfordert fühlt, führen können, sind beispielsweise:
  1. Er überschätzt die Leistungsfähigkeit des Patienten, so daß der Patient vorübergehend willig mit macht, aber regelmäßig nach ein paar Wochen oder Monaten die Therapie innerlich vor Erschöpfung zusammenbricht und in alte Muster zurückfällt.
  2. Er überschätzt die Zeit, die der Patient bei der Erfolgsbewertung überblicken kann und verwendet Methoden die zu spät Erfolgserlebnisse bringen. Auch hier bricht der Patient regelmäßich ab, geschieht das eher aus Entmutigung als aus Erschöpfung. Hier hilft: Zuerst Teile bearbeiten die sofort Erfolg bringen, danach immer langfristigere Projekte in Angriff nehmen.
  3. Die Methoden, die er als Hilfe anbietet, helfen dem Patienten nicht weiter. Dies findet man heraus, indem man regelmäßig fragt, welche Erfolge er womit hat.
  4. Der Therapeut geht in seiner Behandlung von einer Fehldiagnose aus. Da er dies tut, behandelt er falsch.
  5. Der Therapeut versucht seinen Patienten Ziele aufzudrängen, die dieser als erstrebenswerte Ziele nicht nachvollziehen kann.
Daneben ist natürlich nicht auszuschließen, daß die Behandlung deshalb so entmutigend langsam verläuft, weil der Patient ein Problem hat, was wirklich so viel Arbeit erfordert, ehe es gelöst ist.

All diese Möglichkeiten führen dazu, daß kein Behandlungserfolg eintritt und deshalb Patient und Therapeut irgendwann entmutigt sind. Während verletzende und abwertende Worte gegenüber einem Patienten immer ein Behandlungsfehler sind, ist bei den hier aufgezählten Beispielen ohne in den Patienten hineinschauen zu können nur erkennbar, daß irgendetwas falsch läuft, nicht aber, was falsch läuft und warum. Daher bleibt nur eines was man tun kann um das Problem zu diagnostizieren: Man fragt den einzigen, der es wissen kann, nämlich den Patienten, was sein Problem ist.

Tatsächlich ist es natürlich so, daß man nie exakt das ideale Tempo bei der Arbeit hat, man kommt diesen Tempo aber um so näher, je öfter man prüft, ob die verwendete Methodik, das Tempo und das Anforderungsnieveau und die Zielsetzung stimmen und sein Vorgehen entsprechend anpaßt. Man wendet also ständig irgendeine oder mehrere Methoden der Verlauffskontrolle an, und wenn es nicht richtig zu laufen scheint, sucht man nach dem Fehler.
VA248.5 Kersti: Methoden der Verlaufskontrolle

Andererseits ist es aber nicht immer so, daß man einen Fehler gemacht hat, wenn es nicht voranzugehen scheint. Manchmal ist das Problem auch wirklich so schwerwiegend, daß das Aufarbeiten nicht so schnell geht und so schwierig ist, daß es Therapeut und Patient überfordert. Der Therapeut ist dann in der leichteren Situation, weil er diese Arbeit prinzipiell auf andere abschieben kann, indem er einfach weniger macht. Dem Patienten bleibt nichts anderes übrig, als irgendwie damit fertig zu werden.

 
Inhalt

3.3 Mitleid

reinsteigern in fremde gefühle: der patient ist Problembesitzer

hochkommen eigener probleme: Wenn man um therapieren zu können selber eine Therapie braucht

 
Inhalt

3.4

Wie ich schon bei dem vorherigen Punkt schrieb, behindern eigene Probleme, wenn sie während der Therapie hochkommen die Therapie. Neben der möglichkeit daß eigene verdrängte Probleme durch die therapie selbst angetriggert werden, besteht auch die Möglichkeit, daß aktuelle Sorgen - sagen wir mal der Therapeut steckt mitten in eine Ehescheidung - ihn daran hindern wirklich auf die Arbeit konzentriert zu sein.

 
Inhalt

3.5 Grenzen setzen: Der Therapeut ist dafür zuständig, den Rahmen für die Therapie zu setzen

Psychische Probleme hängen zum Beginn einer Therapie meist zu einem erheblichen Teil damit zusammen, daß der Patient noch nicht die Kompetenzen entwickelt hat, sich ein vernünftigen Umfeld zu gestalten und vorhandene Probleme aufzuarbeiten. Menschen, die aus einem gesunden umfeld stammen, wo sowohl der soziale Umgang miteinander gesund ist, als auch grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit psychischen und zwischenmenschlichen Problemen im Rahmen der Kindererziehung weitergegeben werden, entwickelt wesentlich seltener und erst aufgrund wesentluich schwerwiegender Ursachen psychische Probleme als Menschen, die in einem kranken Umfeld aufgewachsen sind. Daher ist eine wesentliche Aufgabe einer funktionierenden Therapie, dem Patienten dieses soziale und therapeutische Handwerkszeug zu vermitteln.

Dies tut man unter anderem indem man in der Therapie einen geeigneten therapeutischen Rahmen vorgibt und bei jeder Regel erklärt, warum man gerade diese Regel für angemessen hält und sie durchsetzt. Wenn der Therapeut eine Regel wie "Patienten bekommen nur die Praxisnummer und wenn ich nicht da bin, bin ich auch nicht zu sprechen" oder in meinem Fall "Außerhalb der Telefonzeiten sind die Anrufe aller Unbekannten gesperrt" einführt, um seine eigenen Bedürfnisse zu verteidigen, begründet er das, indem er sein eigenes Bedürfnis erklärt, beispielsweise: "Früher, als ich noch nicht so viele Anrufer hatte, habe ich das anders gemacht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, daß ich nur noch erschöpft war und selbst die grundlegensten Arbeiten nicht mehr geschafft habe. Wenn ich das nicht so mache, bin ich durch die vielen Anrufe irgendwann so überfordert, daß ich genauso krank werde, wie meine Patienten." - Wenn das die zutreffende Erklärung ist, hat man selbstverständllich etwas zu spät Grenzen gesetzt! Aber: Das passiert. Auch Therapeuten sind nur Menschen.

Die hier beschriebene Technik wird "Ich Botschaft" genannt und so weit ich weiß hauptsächlich in der pädagogischen Literatur beschrieben, beispielsweise in Autor: Thomas Gordons Büchern " Buch: Familienkonferenz"6. und Buch: Lehrer-Schüler-Konferenz7.. Daneben findet man es aber auch in Literatur zur Mediation.

Wenn die Ich-Botschaft nichts bringt, ergreife ich Maßnahmen

Autor: Friedemann Schulz von Thun widmet in " Buch: Miteinander reden, Band 2" ein ganzes Kapitel der "Rehabilitierung der Du-Botschaft" aber aus meiner Sicht breitet er hier vor allem die typischen Mißverständnisse zum Thema aus. Er bringt nämlich ein Beispiel mit zwei Kolleginnen die sich beide darüber ärgern, daß er chronisch unpünktlich ist. Die eine regt sich tierisch über ihn auf, was er als reinigendes Gewitter empfindet, die andere versucht ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, indem sie ihn mit Ich-Botschaften traktiert. In keinem von beiden Fällen ist das Problem damit einer Lösung näher gekommen, denn Schulz von Thun gelingt es danach offensichtlich trotzdem nicht besser, pünktlich zu sein.8. 130ff

Die Ich-Botschaft dient dazu, unbewiesene Behauptungen wie "Du bist ein rücksichtsloses Miststück, dem völlig egal ist wie es mir damit geht!" durch eine Sachinformation über den Sinn eines Wunsches zu ersetzen, wie "Wenn du jedes mal zu spät kommst, setzt mich das so unter Druck, daß ich meine Tagesarbeit nicht schaffe!" damit der Gesprächspartner entweder die Motivation hat, sich an die Regeln zu halten oder die grundlegenden Informationen hat, um einen sinnvollen Alternativvorschlag zu machen.
VB136.1.1.6 Kersti: Erziehung durch Personen auf Moralstufe 6: Antiautoritäre Erziehung

Sobald ich weiß, daß diese Botschaft angekommen ist und der andere dennoch nicht auf meine Bedürfnisse in dem Maße Rücksicht nimmt, wie es ein gerechter Austausch erfordern würde, halte ich mich weder mit reinigenden Gewittern auf, noch versuche ich meinem Gegenüber ein schlechtes Gewissen einzureden, sondern ich ergreife Maßnahmen. Möglich wäre: Ich treffe mich mit ihm an einer Stelle, wo ich eine meiner Arbeiten tun kann, und zwar eine, die ich prinzipiell jederzeit unterbrechen kann. Außerdem bestelle ich ihn etwas früher als zu meinem Idealzeitpunkt ein. Ich werde garantiert nicht fertig angezogen mit Mantel und Handschuhen auf ihn warten. Oder: Ich hole ihn ab und verabrede mit ihm, daß er was immer er macht sofort unterbricht, wenn ich da bin. Sollte das nicht zu einer für mich angemessenen Lösung führen, überlege ich, wie ich sicherstellen kann, daß er die Folgen von seiner eigenen Unpünktlichkeit abbekommt, indem er dann immer mit einem Rest Arbeit alleingelassen wird, bei dem ich ihm sonst geholfen hätte, vielleicht auch "Wir treffen uns an der Kaffeeteria, ich stelle mich um Punkt XXX an und wenn es mir gelingt einen Kaffee zu kaufen, weil du nicht pünktlich da bist, mußt du ihn bezahlen!" oder Ähnliches. Wesentlich für mich ist, daß ich meine Maßnahme nicht als Nachteil für mich empfinde.

Eine solche Ich-Botschaft ist durchaus als ein "Entweder wird das Problem gelöst oder ich ergreife Maßnahmen!" zu verstehen, nicht als ein zusammenhanglos in den Raum geworfenes Gefühl!

 
Inhalt

3.6 Intellektuelle Überforderung

Wenn der Therapeut sich intellektuell überfordert fühlt, kann das verschiedene Gründe haben.

Meine Tante erklärte mir einmal, daß wenn sie ihren Patienten in einem Option-Dialog nicht versteht, daß sie dann eben so lange mit Optionfragen weiterfragt, bis er es verständlicher ausgedrückt hat, weil sie dann davon ausgeht, daß er es wahrscheinlich selbst nicht versteht. Es kann nämlich sein, daß er sich so unverständlich ausgedrückt hat, weil er selber noch nicht so recht weiß, wie er das meint.

 
Inhalt

4. Ein überforderter Therapeut sollte ein Vorbild darin sein, wie man mit Überforderungssituationen und eigenen Fehlern richtig umgeht

4.1 Vorbildlich sein im Schwächen zugeben und Lösungen für den Umgang mit schwächen finden

In so einem Fall ist es die Aufgabe des Therapeuten sich vorbildlich zu verhalten. Aber nicht vorbildlich im Sinne von "ein Mensch ohne Schwächen und Fehler". Ein solches Wesen gibt es auf der Welt nicht. Sondern vorbildlich in dem Sinne, daß man etwas vormacht, das ein kranker Patient nachmachen und woraus er lernen kann, wie er seine Bedürfnisse verteidigen kann, ohne verletzend zu werden. Und wenn dem Therapeuten das gelingt, so lehrt er damit etwas, das die meisten seiner Patienten dringend brauchen werden, weil viele von ihnen von ihrer Familie überfordert, mißbraucht wurden und genau das deshalb nicht richtig lernen konnten.

Eine Therapie ist auch kein Wettbewerb, wer der klügste ist. Wenn der Patient mehr über seine Krankheit weiß als der Therapeut oder Arzt, dann verwendet man Techniken des aktiven zuhörens und läßt man sich von ihm erklären was er weiß. Man nutzt die Gelegenheit, auf diese Weise Dinge dazuzulernen, die vielleicht noch in keinem Fachbuch zu finden sind. Man sollte wirklich nicht auf den dummen Gedanken kommen zu behaupten, man wüßte alles besser als der Patient, denn damit macht man sich nur lächerlich.

Im Scherz sage ich manchmal: "Um den Satz 'Ich weiß nicht' zu erlernen, braucht es mindestens eine Professorentitel!", denn beim Studium fiel mir auf, daß ich dort diesen Satz weitaus häufiger zu hören bekam als früher in der Schule, und zwar am häufigsten von den Professoren, von deren Fachwissen ich am allermeisten gehalten habe. Das lag aber nicht daran, daß meine Grundschullehrer Antworten auf meine Fragen gewußt hätten, nein ich habe so viel gelesen, daß ich ihnen regelmäßig Fragen gestellt habe, auf die sie keine Antwort wissen mußten und auch kaum konnten, weil ich mich mal wieder zu einer Spezialfrage zu einem abgelegenen Bereich ihres Schulfaches verstiegen hatte, von der sie noch nichts gehört hatten.
V109.1 Kersti: Das haben Leute gesagt, die viel klüger sind als wir beiden...
Allerdings habe ich mir das Fragen stellen in der Schule bei den meisten Lehrern auch schnell wieder abgewöhnt, weil immer so unfreundliche und entmutigende Antworten kamen.
O3: Kersti: Ist in der Schule das Denken verboten?, OI3.

Grundregel: Wenn man das Gefühl hat, daß ein Patient zehn mal so viel Fachwissen über die eigene Krankheit hat wie man selbst, dann sagt man: "Sie wissen da mehr als ich selbst." Wenn man die Frage nicht beantworten kann, die man gestellt bekommt, sagt man "Das weiß ich auch nicht." Wenn einem das Problem des Patienten zu schwierig vorkommt, man das Gefühl hat, emotional überfordert zu sein, dann sagt man: "Das überfordert mich." Wenn während einer Therapiestunde ein Problem des Therapeuten hochkommt, sagt man als Therapeut: "Tut mir leid, daß ich abgelenkt bin, aber bei dem Thema kommt bei mir ein eigenes Problem hoch." Wenn der Therapeut in solchen Fällen seine eigenen Fehler und Schwächen nicht zugeben kann, richtet er großen Schaden an und verletzt gerade die Patienten immer wieder neu, die sowieso schon die schwierigsten Probleme haben.

Wenn der Therapeut sich intellektuell überfordert fühlt oder wo ein eigenes Problem hochkommt, ist die Ich-Botschaft ohne eine weitergehende Reaktion völlig ausreichend. Sie informiert den Patienten nämlich darüber, daß der Fehler nicht beim Patienten liegt, sondern daß ein anderes Problem vorliegt, das keine Maßnahmen des Patienten erfordert, sondern lediglich als Information zur Kenntnis genommen werden sollte. Sie bedeutet im Kern: Ich kann gerade nicht besser, aber du hast nichts falsch gemacht.

Kleinere Fehler des Therapeuten wirken sich nur dann schlimm aus, wenn der Patient schwere psychische Probleme hat. Man wird das therapeutische Gespräch meist trotz des kleinen Lapsus des Therapeuten weiterführen können, wenn auch manchmal der Erfolg verzögert wird. Wenn der Patient irritiert reagiert, sollte man den eigenen Fehler erklären. Es ist viel weniger irritierend wenn man beispielsweise sagt:
"Tut mir leid, daß ich plötzlich so reagiert habe, deine Worte haben mich daran erinnert, wie meine Eltern mich immer fertiggemacht haben." (natürlich mit mehr differenzierten Details) oder "Ich bin nicht wütend auf Dich, sondern auf den Täter." oder "Ich habe davon weniger Ahnung als Du." als wenn der Therapeut wütende und verunsicherte Reaktionen seinerseits einfach unerklärt stehen läßt.

Wenn jedoch eigene Probleme so massiv hochkommen, daß der Therapeut nicht mehr in der Lage ist, zu der entspannten und akzeptierenden Haltung zurückzukehren, die ein Therapeut haben sollte, bleibt nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen und den Dialog abzubrechen, um die eigenen Probleme in der Supervision aufzuarbeiten.
V26. Kersti: Die Option-Haltung
VB95.1 Kersti: Die therapeutische Haltung

Im Bezug auf ein spirituelles Weltbild, habe ich den richtigen Umgang mit irritierenden Patientenerfahrungen hier beschrieben:
VB158.3.3 Kersti: Umgang mit spirituellen Patienten-Erfahrungen für unspirituelle Therapeuten

 
Inhalt

5. Was mache ich, wenn mein Therapeut überfordert ist?

Wenn ein Therapeut sich von einem Thema überfordert fühlt, sich deshalb entschuldigt, erst einmal selber eine Sitzung zum Thema bei einem anderen Therapeuten macht und danach wieder als Therapeut zum Thema taugt, erfordert das natürlich keine Maßnahme von Seiten des Patienten, weil dieser dann beim nächsten Gespräch wieder mit demselben Thema kommen kann und diesmal kommt man damit weiter als beim ersten Versuch.

Wenn ein Therapeut in so einer Situation aber verletzende Dinge sagt und sich beim nächsten mal noch schlimmer benimmt, dann ist er keine Hilfe beim Aufarbeiten dieses Themas und man braucht für dieses Thema einen anderen Therapeuten. Er ist für dieses Thema nur ein Hindernis beim Aufarbeiten, keine Hilfe.
VB155. Kersti: Menschen, die beim Aufarbeiten helfen und Menschen, die es behindern
Hier kann man sich überlegen ob das Thema so zentral ist, daß man endgültig einen anderen Therapeuten suchen muß oder ob man genug andere Themen hat, die man mit diesem Therapeuten noch sinnvoll bearbeiten kann.

Wenn sich aber eine Situation entwickelt, in der man einem Therapeuten alle zentral wichtigen Themen, die zum Aufarbeiten anständen, nicht erzählen mag, dann sollte man sich wirklich einen anderen Therapeuten suchen.
VA145.2.5 Kersti: "Nein, meinem Therapeuten erzähle ich das nicht!"

Wenn dir ein Therapeut mitteilt, du wärest unheilbar, dann such dir einen anderen. Darüber ob dein Problem heilbar ist oder nicht, kann er dir nichts sicheres sagen. Schließlich ist niemad allwissend und daher kann niemand alle denkbaren Probleme samt ihrer Lösung kennen. Tatsächlich hat er dir aber sehr eindeutig gesagt, daß ihn dieses Problem überfordert und er deshalb keine Hilfe ist.

 
Inhalt

6. Warum reagieren Therapeuten so unangemessen, wenn sie überfordert sind?

6.1 Das zum Familientherapeuten erzogene Kind

Beispielgeschichte, Kersti:

"Bin ich undankbar?"

Das erste, was mir in dem Gespräch auffiel, war, daß die Frau, die mich angerufen hatte an völlig unpassenden Stellen fragte, ob sie undankbar wäre, wenn sie das was von ihrer Familie verlangt würde nicht täte. Ich fand die Forderungen ihrer Familie durchweg unangemessen: So etwas erwartet ein Kind, bevor es das Jugendalter erreicht, von seinen Eltern und nicht die Eltern von ihren Kindern oder die Geschwister von ihrer kleinen Schwester.

Sie erzählte wie sie Streits in ihrer Herkunftsfamilie schlichtete, eigene Kinder bekam und versorgte, eine Firma gründete, von der diese Familie leben konnte und wie ihre Herkunftsfamilie nichts für sie tat, wenn sie Hilfe gebraucht hätte und ihr ständig an den seltsamsten Stellen unterstellte, sie wäre undankbar.

"Bizarr." dachte ich.

Schließlich kamen wir auf einen Besuch bei ihrem Bruder zu sprechen. Der Bruder wollte von ihr, daß sie in einem Geschäft in seiner Nachbarschaft Kleider verkaufte und dort wartete, bis ein dort lebender Mann kam und sie heiratete, was sie ablehnte. Daraufhin fand er sie undankbar.
Ich fragte ob ihr Bruder denn nicht gewußt hätte, daß sie zu dem Zeitpunkt eine funktionierende eigene Firma hatte von der sie leben konnte.
"Doch, das wußte er."
"Ja und warum wollte er, daß du das machst?"
"Na er dachte vielleicht, daß das praktischer für ihn gewesen wäre."
"Aha - er wollte also etwas von dir und wenn du es ihm nicht gibst, bist du undankbar?"
Sie lachte, als ihr klar wurde wie unsinnig das war und danach flachsten wir nur noch über dieses Thema herum.

Dies ist ein Beispiel für ein Muster, das mir in meiner Arbeit öfter begegnet ist und in dem gewöhnlich die meisten oder alle von den folgenden Punkten zutreffen. Dieses Muster taucht nur in extrem dysfunktionalen Familien in dieser Form auf, ist aber in abgeschwächter Form in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Das Thema, daß ein Kind in die Therapeutenrolle gedrängt wird, behandelte Autor: Alice Miller schon 1983 ausführlich in ihrem Buch " Buch: Das Drama des begabten Kindes".9.

Grundsätzlich kann ein solches Kind später als Erwachsener auf verschiedene Weise damit umgehen.

 
Inhalt

6.2 Wenn Menschen Gleichrangige zwingen als Therapeut aufzutreten

Das Grundmuster, daß eine Gemeinschaft eine Person nur dann als Mitglied duldet, wenn dieses hart und ohne entsprechende Gegenleistung als Therapeut für die Gemeinschaft arbeitet, gibt es auch außerhalb der eigenen Familie und hat dort ähnliche Auswirkungen, die aber meist schwächer ausgeprägt sind, weil nur die Familie so absolute Macht über ein Kind hat, während andere Einflüsse meist weniger überwältigend sind.

Beispielgeschichte, Kersti:

Wir akzeptieren dich nur, wenn du uns therapierst

Direkt nach dem Abitur beschäftigte ich mich mit Option, einer Methode der Gesprächstherapie. Einerseits lernte ich in diesem Zusammenhang mich innerlich wesentlich besser gegen die Bedürfnisse anderer abzugrenzen, indem ich mir klar machte, daß es nicht meine Aufgabe ist, die Probleme anderer zu lösen.

Andererseits stellte ich fest, daß die Option-Dialogtechnik Gespräche mit Mitmenschen, mit denen ich mich eigentlich nicht richtig unterhalten konnte, weil sie nichts für mich interessantes zu einem Gespräch beizutragen hatten, sehr viel einfacher und entspannter machte, weil ich systematisch gelernt hatte mit wenigen Worten zu zeigen, daß ich zuhöre, ohne selber inhaltliche Beiträge zu leisten, die meiner Erfahrung nach nie willkommen waren, da die Leute sich für all die Dinge, die ich meist in wissenschaftlicher Literatur gelesen hatte, einfach nicht interessierten, sondern nur sauer sind, weil ich alles besser weiß. Gespräche mit mir wurden also viel einfacher und bei meinen Mitmenschen willkommener. Aber letztlich gab ich ihnen eine kostenlose Therapie, damit sie nicht ärgerlich auf mich sind, weil ich nicht weiß, wie ich mich an ihrem niveaulosen Small-Talk beteiligen soll. Interessanterweise führte das die nächsten zehn Jahre dazu, daß es in allen kleineren sozialen Gruppen - beim Wochenendkurs der Heilpraktikerschule, in Internetforen, beim Sport, an der Arbeit - an denen ich teilhatte besonders freundlich und herzlich zuging.

Zehn Jahre nach dem Abitur begann ich zu studieren und dadurch hatte ich nicht mehr die Reserven übrig, jeden in meiner Umgebung kostenlos zu therapieren. Ich fuhr das also mit der Begründung zurück, daß ich dazu nicht genug Zeit hätte. Und ich stellte fest, daß diverse Leute plötzlich bösartig wurden und mich ohne zu begründen, warum sie verärgert waren, ständig persönlich angriffen.

Danach unterzog ich mein Leben einer Revue und kam zu dem Schluß, daß das ich von den meisten nur akzeptiert werde, wenn ich ihnen eine kostenlose Therapie anbiete. Und viele davon sind nicht bereit, diese Tatsache vor sich selbst zuzugeben und bestehen darauf die Therapie Freundschaft zu nennen.

Ich gewöhnte mir danach an, bei jedem, den ich kennenlerne, zu prüfen, wie er reagiert, wenn ich ihm ein harmloses Problem von mir präsentiere. Wer das als unangemessene Zumutung behandelte, wurde dann von mir als Patient eingeordnet, der sich selber melden muß, wenn er etwas will. Nur bei denen, die darauf freundlich reagierten und eine Hilfe waren, überlegte ich mir, ob ich die Beziehung aktiv pflegen will, weil er für mich als möglicher Freund interessant ist.

Nach und nach wurde mir klar, daß ich mit Option diese Methode zwar optimiert hatte, daß ich aber schon als Kleinkind meinen Freundinnen verständnisvoll zugehört hatte, wenn sie mir ihre persönlichen Probleme erzählten, daß ich meine Probleme und Sorgen aber für mich behalten hatte, weil die anderen Kinder bei weitem nicht so verständnisvoll reagierten und manchmal gemeine Dinge sagten.

Daß ich in den letzten beiden Jahren der Grundschulzeit gemobbt wurde, hatte dazu geführt, daß das nicht mehr für mich funktionierte, weil ich überfordert war.

Diese "Wir akzeptieren dich nur, wenn du uns therapierst"-Haltung kann aus zwei Gründen auftreten. Einmal weil der Betroffene am Anfang des Beziehungsaufbaus angeboten hat, die Helferrolle in der Gruppe zu übernehmen und das als eine Art Vertragsbruch empfunden wird. Andererseits kann es aber auch sein, daß die Passung zwischen der Person und den anderen Gruppenmitgliedern so schlecht ist, daß die Person nur in der Therapeutenrolle ohne überzogene Anstrengung zurechtkommt oder überhaupt nur in der Therapeutenrolle in der Lage ist, ein Kommunikationsangebot zu machen, daß den anderen akzeptabel erscheint.

Mein Problem hatte mit intellektueller und spiritueller Hochbegabung zu tun: Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen beschreibe oder einfach ausspreche, was ich denke, ist das für andere zu schwer zu verstehen. Das liegt einerseits, weil ich die Welt sehr anders wahrnehme als andere und deshalb meine Alltagserfahrungen nicht unmittelbar für andere verständlich sind. Umgekehrt kann ich aber auch nicht unmittelbar verstehen, warum die andere auf oberflächlich die oft so anders reagieren als ich. Ich muß es erfragen oder der Literatur entnehmen, um es verstehen zu können.
V40. Kersti: Eine Kindheit mit feinstofflichen Wahrnehmungen: Als käme ich von einem anderen Stern
V41. Kersti: Das Gewicht einer Gabe: Menschen mit spiritueller Hochbegabung werden oft ausgegrenzt
Andererseits denke ich sehr viel komplexer denke als meine Mitmenschen.
VA231. Kersti: Anderssein ist Mist - selbst wenns eine Hochbegabung ist
Diese grundlegende Unterschiedlichkeit macht den Umgang für beide Seiten anstrengender und schwieriger. Während erfahrungsgemäß jeder behinderte oder sonstwie ungewöhnliche Mensch hoch erfreut ist, wie weit ich seinen persönlichen Bedürfnissen entgegenkomme, sind normal veranlagte Menschen sehr oft der Ansicht, ich würde mich überhaupt gar nicht bemühen mich anzupassen, obwohl ich bei ihnen doppelt so viel Arbeit in Anpassung investiere, wie bei behinderten und ungewöhnlichen Menschen.
VA231.6 Kersti: An denen die selber ungewöhnlich sind, merke ich wie unglaublich anpassungsfähig und -bereit ich bin

 
Inhalt

6.3 Das Helfersyndrom: Krankhafte Muster bei dem Versuch, anderen zu helfen

Die oben aufgezählten Therapeutenfehler lassen sich in mehrere Gruppen aufteilen.
  1. Er betont plötzlich ständig, daß er ja der Therapeut und der Patient krank sei
  2. Er verlangt, daß der Patient ihm jetzt vertrauen und glauben müsse
  3. Er verletzt die Privatsphäre des Patienten und mischt sich in Entscheidungen ein, die der Patient selbst treffen sollte
  4. Der Therapeut reagiert gekränkt, wenn Lösungsvorschläge für Probleme des Patienten abgelehnt werden
  5. Der Therapeut unterstellt seinem Patienten, er wolle nicht gesund werden
  6. Der Therapeut betont ständig daß er es doch gut meine
  7. Der Therapeut zeigt unangemessene emotionale Reaktionen

Kersti

 
Inhalt

Quelle

Dieser Artikel beruht auf meinen eigenen Erfahrungen als Therapeutin und aus dem aufarbeiten meiner eigenen Themen in Partnerarbeit mit meinen jeweiligen Aufarbeitungspartnern
VA248. Kersti: Wie funktioniert Psychotherapie?
Wenn ich therapeutisch arbeiten greife ich oft auf das Wissen meiner feinstofflichen Anteile zurück und integriere geistheilerische Methoden in meine Arbeit.
VA299. Kersti: Fragen beantworten: Das Wissen der eigenen feinstofflichen Anteile
VA131. Kersti: Heilung durch Arbeit an den feinstofflichen Körpern

Weitere Quellen waren:


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
Werbung ist nicht erwünscht und ich bin nicht damit einverstanden, daß diese Adresse für Werbezwecke gespeichert wird.