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erste Version in "Magie und Parawissenschaften": 10:19, 24. Sep. 2012
hierher übertragen: 10/2014
letzte Bearbeitung: 7/2017

VB167.

False Memories - falsche Erinnerungen und wie sie entstehen

False Memories oder Falsche Erinnerungen sind falsche Erinnerungen an Ereignisse, die so nicht stattgefunden haben.

Inhalt

VB167.1 Kersti: Falsche Erinnerungen und ihre Entstehung
VB167.1.1 Kersti: Wissenschaftlicher Nachweis der falschen Erinnerungen
VB167.1.1.b1 Kersti: Beispiel: Simulierter Autounfall
VB167.1.1.b2 Kersti: Beispiel: Lost in a Shopping Mall
VB167.1.2 Kersti: Imanigation und False Memories
VB167.1.3 Kersti: Fehlinterpretation von Träumen als Erinnerungen
VB167.1.3.1 Kersti: Träume und ihre Funktion
VB167.1.3.2 Kersti: Wachheitsgefühl und Fehlinterpretation von Träumen als Erinnerungen
VB167.1.3.2.b1 Kersti: Ein telepatischer Traum
VB167.1.3.3 Kersti: Oneiroide - Träume in der Intensivstation, die oft für Erinnerungen an reale Erfahrungen gehalten werden
VB167.2 Kersti: Paranormale Erfahrungen und False Memories
VB167.2.1 Kersti: Falsche paranormale Beobachtungen in gefaketen Seancen und Vorführungen
VB167.2.1.b1 Kersti: Er biegt sich weiter
VB167.2.2 Kersti: False Memories im Spiritismus
VB167.2.2.b1 Kersti: Blanche Poynings: Falsche Lebenserinnerungen aus einer vergessenen Buchlektüre
VB167.2.3 Kersti: False Memories und vergangene Leben
VB167.2.3.b1 Kersti: Falsche Erinnerungen an Alfred Peacock, der beim Untergang der Titanik starb
VB167.2.4 Kersti: Parallelweltenerinnerungen als Alternativdeutung zu scheinbaren false Memories
VB167.3 Kersti: Traumatische Erfahrungen und false Memories
VB167.3.1 Kersti: False Memories und Erinnerungen an sexuellen Mißbrauch
VB167.3.1.b1 Kersti: Beth Rutherford: Erinnerungen einer Jungfrau an Vergewaltigungen und eine Abtreibung
VB167.3.1.b2 Kersti: Die Mutter der mißbrauchten Miß Amerika meint, sie hatte eine glückliche Ehe gehabt
VB167. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Falsche Erinnerungen und ihre Entstehung

1.1 Wissenschaftlicher Nachweis der falschen Erinnerungen

Autor: Elizabeth F. Loftus forschte seit den 70ger Jahren in mehr als 200 Experimenten mit über 20 000 Versuchspersonen zu Verfälschungen von Erinnerungen durch nachfolgende irreführende Informationen. Wenn Menschen ein Ereignis beobachten und nachher eine irreführende Information über dieses Ereignis erhalten, kann das zu einer Verfälschung der ursprünglichen Erinnerung führen.1.
In einem Beispiel sahen die Versuchsteilnehmer einen simulierten Autounfall an einer Kreuzung mit einem Stoppschild. Nach dem Anschauen erhielt die Hälfte der Zuschauer die Information, an der Kreuzung hätte sich ein Vorfahrt-Achten-Schild befunden. Als sie später nach dem Unfall befragt wurden, neigten diejenigen, die die falsche Information erhalten hatten, dazu, zu sagen, sie würden sich an ein Vorfahrt-Achten-Schild erinnern, während diejenigen, die diese Falschinformation nicht erhalten hatten sehr viel korrekter in ihren Erinnerungen zu dieser Frage waren.1.
Auf diese Art können falsche Erinnerungen an kleinere und größere Details einer beobachteten Scene induziert werden.1.

Auch Erinnerungen an ganze Ereignisse, die nie stattgefunden haben, lassen sich auf diese Weise induzieren. 1.

Beispielgeschichte, Loftus:

Lost in a Shopping Mall

So hat Loftus eine Studie durchgeführt, in der die Leute nach Details zu echten und einem erfundenenen Erlebnissen aus ihrer Kindheit befragt wurden. Es wurde erzählt, es ginge darum, an wieviele Details man sich erinnern könne.

Mehrere Tage in Folge wurde Chris gefragt, ob er sich an weitere Details von drei echten und einem erfundenenen Erlebnis erinnern könne. Er erfand immer weitere Details zu dem falschen Geschehnis. Als ihm am Ende mitgeteilt wurde, daß eines der Beispiele gar nicht stattgefunden hätte - tatsächlich hatte sein Bruder Jim das erfundene Geschehnis "Lost in a Shopping Mall" (Verloren im Einkaufszentrum) konstruiert - wählte er nicht das falsche sondern eines der echten Ereignisse als das, was wahrscheinlich nur erfunden war.

Die statistische Auswertung eines nur geringfügig abweichenden Versuchs mit 24 Versuchspersonen und ebensovielen Verwandten ergab, daß sich die Versuchspersonen an 68% der 72, also pro Person jeweils drei realen Ereignisse erinnerten, 25% erinnerten sich aber auch an das erfundene Ereignis. Einer hatte im schriftlichen Teil etwas darüber geschrieben aber nachher entschieden, daß er sich nicht wirklich erinnern könne. Diejenigen Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden hatten, wurden ausführlicher beschrieben als das erfundene Ereigniss, auch wenn sie nur unvollständig erinnert wurden.1.

Bei einer Untersuchung von Kindern, an deren Schule eine Gewalttat stattgefunden hatte, kam heraus, daß einige der nicht anwesenden Kinder false Memories von diesem Geschehnis entwickelt hatten, während damals anwesende Kinder sich teilweise nicht erinnern konnten. Doch unabhängig davon ob sie sich zu erinnern meinten oder nicht wiesen nur diejenigen Kinder ein verändertes Verhalten auf, die tatsächlich bei dem Ereignis dabei gewesen waren, während unabhängig von der Frage ob false Memories vorhanden waren oder nicht, die damals nicht anwesenden Kinder kein verändertes Verhalten aufwiesen.2. S.153 Welche Art von Erfahrungen ein Mensch gemacht hat, kann man also eher an seinem Verhalten ablesen als daran, welche Erinnerungen vorhanden oder nicht vorhanden sind.

 
Inhalt

1.2 Imanigation und False Memories

Die Rolle der Imanigation bei der Formation von falschen Erinnerungen untersuchten Autor: Ira E. Hyman und Autor: Joel Pentland, indem sie den obigen Versuchsaufbau geringfügig abwandelten. Die Versuchsgruppe wurde gebeten, in ihrem Geist ein Bild des vergangenen Ereignisses zu formen, während die Kontrollgruppe gebeten wurde, eine Minute lang still darüber nachzudenken. Teilnehmer der Gruppe, sie sich Bilder vorstellen sollten, bildeten häufiger false Memories, waren aber auch besser in der Lage, sich an wahre Ereignisse zu erinnern, obwohl hier natürlich unklar ist, inwieweit die Erinnerungsbilder den Tatsachen entsprechen.3.

Welche Art von Erfahrungen ein Mensch gemacht hat, kann man eher an seinem Verhalten ablesen als daran, welche Erinnerungen vorhanden oder nicht vorhanden sind. Da in der Therapie die Frage, ob eine Erinnerung plausibel und beweisbar ist, hinter der Frage zurücktritt, ob die Arbeit an einer Erinnerung therapeutische Erfolge einbringt oder nicht, werden Therapeuten selten einer auf kryptomnetisch erinnerten Fakten beruhenden vollständig erfundenen False Memory aufsitzen, die ja keine Symptome produzieren würde, jedoch häufiger False Memories über Details eines ansonsten wahren Ereignisses nicht hinterfragen, die emotional und psychologisch keine oder wenig Bedeutung haben und deshalb für die therapeutische Arbeit wenig bedeutsam sind. Ein Reinkarnationstherapeut würde also wahrscheinlich nicht auf eine Blanche Poynings hereinfallen, wenn jedoch ein Kindheitserlebnis aus diesem Leben unbewußt in ein früheres Leben verlegt wird oder umgekehrt, um die damit verbundenen psychischen Probleme aufzuarbeiten, ohne die aktuellen Beziehungen zu gefährden, könnte ihm die Geschichte durchaus wahr vorkommen.

 
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1.3. Fehlinterpretation von Träumen als Erinnerungen

1.3.1 Träume und ihre Funktion

Die Träume, die wir nachts haben, satteln auf einem entwicklungsgeschichtlich sehr altem System auf, das die Funktion hat, daß die Nervenverbindungen für die Bewegungssteuerung im Gehirn ausreifen, während Bewegungen nur simuliert werden. Zu Beginn der individuellen Entwicklung ist die Arbeit des Systems noch mit Bewegungen der Arme und Beine verbunden, da die Peripheren Nerven noch nicht ausgereift sind, später sind die Bewegungen des Körpers gehemmt und nur die Augen bewegen sich noch, es existiert also ein typischer REM-Schlaf. 36.; 37.; 38.; 39.; 40

Die ersten Träume, die bei Kindern im Alter von 3-5 Jahren nach dem aufwecken im Gedächtnis bleiben, sind noch selten und zeigen ein isoliertes Ereignis, das aus einem statischen Bild besteht. Der Träumer nimmt noch nicht aktiv am Geschehen teil. Obwohl die Träume vorwiegend in den REM-Phasen auftreten, sind sie also inhaltlich noch nicht mit dem REM-Schlaf-System-zum Bewegungslernen verbunden. Im Alter von 5-7 werden Träume häufiger, es treten einfache alltägliche Handlungsabfolgen auf, die Bilder sind bewegt, der Träumer nimmt aber immer noch nicht aktiv am Geschehen teil. Im Alter von 7-9 Jahren sind Träume häufig, haben eine zunehmend komplexe Traumerzählung und der Träumer nimmt aktiv am Geschehen teil.41. Jetzt ist auch das REM-System zum unbewußten Bewegungslernen so mit den Träumen verbunden, daß man Träume verwenden kann, um körperliche Fähigkeiten wirksam zu trainieren42., 43.. In dieser Form können Träume benutzt werden um unterschiedliche Lebenssituationen eines Menschen oder Tieres zu simulieren und sich in dieser Simulation neue Strategien für das Leben auszudenken. Wenn ein Tier beispielsweise durch ein Raubtier verletzt wurde, kann es die Jagdszene so lange im Traum durchspielen, bis es eine Handlungsstrategie hat, die eine Lösung bietet, bei der es nicht verletzt wird. Dasselbe ist auch für soziale Probleme möglich.

Träume in denen die Traumbilder für etwas völlig anderes zu stehen scheinen, treten beim Menschen genau wie rein sprachliche Träume erst bei Jugendlichen auf.

Ausführlicher ist die Funktion, sowie entwicklungsgeschichtliche und entwicklungspsychologische Entstehung von Träumen in folgendem Text beschrieben:
VA169. Kersti: Bedeutung von Träumen, Klarträumen und Traumdeutung

1.3.2 Wachheitsgefühl und Fehlinterpretation von Träumen als Erinnerungen

Gelegentlich kommt es vor, daß man einen Traum als Erinnerung an ein reales Erlebnis interpretiert. Ein Beispiel hierfür ist folgender Traum von mir:

Ein telepatischer Traum

Ich hatte einmal einen ungewöhnlich realistischen Traum, in dem ich im spiele-Kontor, ein Rollenspiel-Geschäft in Kassel einkaufen ging. Zwischen den Büchern dort fand ich ein neues Buch. Ich sah es mir an und konnte es kaum glauben: eine Briefreundin von mir hatte ein Buch geschrieben! Dabei hätte ich ihr von ihrer Persönlichkeit her nicht zugetraut, daß sie ein Buch zuende schreiben könnte, weil alle ihre geschichten auf mich den Eindruck gemacht hatte daß sie immer an demselben thema hängenblieb und die Geschichten deshalb nie zu einem echten Abschluß fanden. Ich drehte es in den Händen, sah es von allen Seiten an und konnte nicht fassen, daß sie ein Buch geschrieben hat. Da hatte sie sich ja seit ihren letzten Geschichten sehr weiterentwickelt haben müssen. Ich freute mich riesig für sie. Aus irgendeinem rätselhaften Grund, der mir im Traum aber sehr logisch erschien, kaufte ich es dann doch nicht.

Kurz darauf schrieb ich dann den nächsten Brief an sie, der eigentlich schon seit einem halben Jahr oder länger fällig gewesen wäre. Das war wohl auch der Grund, warum ich vorher nichts von dem Buch erfahren hatte. Und sie schrieb mir zurück und legte eine Kopie des Umschlages bei, von dem Buch, was sie geschrieben hatte. Ich sah mir das an, erinnerte mich daran, daß ich das Buch mit genau diesem Umschlagbild schon gesehen hatte, aber nicht daran, daß es ein Traum gewesen war, denn dazu hatte der Traum einfach zu realistisch gewirkt und ging in den Spiele-Kontor, um es zu kaufen. Der Besitzer des Ladens schwor mir Stein und Bein, daß es dieses Buch nicht gebe. Er würde jedes Buch in diesem Bereich kennen und wüßte es, wenn es diese Buch gäbe.

Des Rätsels Lösung stand im Brief: Das Buch kam erst ein halbes Jahr später heraus.

Daß es Träume gibt, in denen man sich so wach wie im Alltag fühlt, ist von luziden Träumen, in denen dem Träumer bewußt ist, daß er nur träumt, bekannt. Menschen, die Luzide Träume haben, träumen lebhafter als andere und erinnern sich häufiger an diese Träume. Sie haben häufiger Flugträume, Halluzinationen, das subjektive Gefühl die einen Körpergröße würde sich ändern, fühlen ein zittern oder haben ein schwebendes Gefühl. Daneben erleben mehr von ihnen außerkörperliche Erlebnisse und machen die Erfahrung, mit geschlossenen Augen sehen zu können, nutzen häufiger Telepathie und glauben an ihr funktionieren.44.

Nachdem mir eine Bekannte eine false Memory erzählt hatte, die mich inhaltlich stark an einen eigenen Traum erinnerte, bin ich wegen dieser Ähnlichkeit der Frage nachgegangen, ob false Memories möglicherweise in den Tag verschobene Träume sein könnten.

1.3.3 Oneiroide - Träume in der Intensivstation, die oft für Erinnerungen an reale Erfahrungen gehalten werden

Aus der Literatur sind die Oneiroide als Beispiele für Träume bekannt, die oft als Erinnerungen fehlinterpetiert werden.8., 10.

Oneiroide sind komplexe Träume bei denen der Erlebende sich als wach empfindet und die er auch im Nachhinein nicht vom Wachzustand unterscheiden kann. Er nimmt aber während des oneiroiden Erlebens nicht die Außenwelt sondern ein Traumgeschehen wahr, an dem er aktiv oder passiv teilnimmt und das für ihn in ihrer Geschlossenheit den Charakter einer "anderen Welt" bekommt. Er nimmt das eigene Ich nahezu normal wahr, ist überwach, kann sich ungewöhnlich deutlich und genau daran erinnern, kann das Erlebnis aber meist nicht steuern. Die Bilder haben intensive Farben der Oneiroide. 6.; 7.; 8.; 9.; 10. S.212
O7.44 Kersti: Oneiroide

Oneiroide, treten auf, wenn Kranke bei funktionierendem Gehirn tagelang nicht ansprechbar sind. Sie kommen beispielsweise bei Menschen vor, die an Polyradikulitis (Guillain-Barré-Syndrom) erkranken. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende Lähmung. Bei intaktem Gehirn und damit bei vollem Bewußtsein lebt der Kranke in einem (fast) vollständig gelähmten Körper. Wenn die Lähmung schließlich auch die Atmung erfasst, so dass die Betroffenen künstlich beatmet werden müssen und nicht mehr sprechen könne, verlieren sie ihre letzte verbliebene Möglichkeit, zu ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen. So korreliert bei der Polyradikulitis Guillain-Barré das vermehrte Träumen mit der Schwere der Deprivation infolge fortgeschrittener Tetraparese, künstlicher Beatmung und multipler Hirnnervenbeteiligung. Dementsprechend kommt es beim ausgeprägten Guillain-Barré-Syndrom in bis zu 95% der Fälle zu einem oneiroidalen Erleben. Zu den Oneiroid-verursachenden Krankheiten zählen daneben komatöse Zustände, Locked-in-Syndrom beispielsweise bei einer Hirnstammischämie, traumatische, postoperative und Wochenbett-Psychosen, schwere Verbrennungen, Impfreaktionen, Hungerzustände, Enzephalitiden, Poliomyelitiden, Hirnverletzungen und Langzeitbeatmungen. 6.; 7.; 8.; 9. S.212; 10.

Wenn schwer chronisch kranke Menschen danach gefragt werden, was ihre beeindruckensten Erlebnisse in der Intensivtation waren, sind das in 44% der Fälle ihre Träume - also die Oneiroide. Über diese komplexen und beeindruckenden Träume, haben einige Patienten dann auch ganze Bücher verfasst. Die Hilfsbereitschaft des Pflegepersonals wurden dagegen nur in 16%, die Entlassung in 4%, der erste Besuch der Familie in 4% oder die Leiden der Mitpatienten 4% der Fälle genannt.8.

Aufgrund der Realitätsnähe der Erlebnisse dauert es einige Zeit, bis die Betroffenen sich von der Irrealität der Erlebnisse überzeugen lassen7.. Hier werden also Träume von den Träumern für Erinnerungen gehalten und es handelt sich daher um einen Sonderfall der False Memories.

An den konkreten Beispielen wird deutlich, daß aus solchen Träumen durchaus realistische lebhafte Erinnerungen an Ereignisse entstehen können, die niemand dem Betroffenen suggeriert hat.

"In einem ersten noch auf der Intensivstation stattfindenden Gespräch wurde deutlich, dass V.S. so gut wie keine Erinnerung an die konkreten Geschehnisse auf der Intensivstation während der Beatmungszeit besaß. Stattdessen schilderte er, immer wieder von heftigem Weinen unterbrochen, großenteils dramatische Ereignisfolgen, die im Modus unbezweifelbarer Erlebniswirklichkeit erfahren wurden. Er betonte mehrfach, dass die geschilderten Erfahrungen nicht dem üblichen Traumerleben vergleichbar seien. Ungeachtet der Dramatik der Erfahrungen habe er alles wie sonst im Alltag erlebt.

V.S. erzählte, er habe miterlebt, wie ihm freundschaftlich verbundene Nachbarn von vagabundierenden Soldaten in ihrem eigenen Haus erschossen worden seien. Erst seine Frau kann ihn bei einem Besuch davon überzeugen, dass diese Nachbarn noch leben und alles ein schrecklicher Alptraum war."7.

Eine andere Erkrankte glaubte, den Tod des Sohnes erlebt zu haben, und begrüßte ihn, als er sie im Krankenhaus besuchte, mit ungläubigem Erstaunen: "Du lebst ja noch!"7.

Meist sind die erlebten Scenen bedrohlich und spiegeln das völlige Ausgeliefertsein an die Krankheit, die Umwelt und den bedrohlich nahen Tod wider. Sie gehen überwiegend mit negativen, oft angstvollen Gefühlen einher. Die drei dominierenden Themen sind dabei: Gefangener zu sein, etwas Falsches getan zu haben, um die Gefangenschaft zu rechtfertigen und das Thema Tod. Immer wieder scheint auch traumhaft verkleidet die eigene Biographie durch. Dabei werden oft dramatische Erinnerungen, die aber mit der Realität keinen Zusammenhang besitzen, berichtet. 6.; 8.; 9. S.212

 
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1.3.3 Träume am hellichten Tage

Eine meiner Patientinnen hat mir relativ häufig ihre fals Memories erzählt, weil diese sie emotional sehr aufgewühlt hatten und sie mit jemanden reden wollte, um sich zu beruhigen. Die Logik sagte ihr, daß die Erinnerungen so wohl nicht stattgefunden haben konnten, trotzdem brauchte sie einen Gesprächspartner um sich wieder zu beruhigen. Die False memories waren offensichtlich am selben Tag eingebettet in das alltagsleben entstanden. Da ich selber über ein Jahr lang ein Traumtagebuch geführt habe, kann ich sagen, daß sie inhaltlich die Eigenarten typischer Träume hatten und es passierten in ihnen Dinge, die meist zwar nicht absolut unmöglich waren, die aber sehr unwahrscheinlich erschienen oder die sie so im Wachzustand nicht gemacht hätte. Eine vernünftige Interpretation ist daher, false Memories als in den Tag verschobene Träume zu sehen.
O11.4 Kersti: Teil 4: In welchem Verhältnis stehen die False Memories zu satanistischem rituellem Mißbrauch zur Realität?

 
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1.4 Nicht geglaubte Erinnerungen

 
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2. Paranormale Erfahrungen und False Memories

2.1 Falsche paranormale Beobachtungen in gefaketen Seancen und Vorführungen

Er biegt sich weiter

Autor: Richard Wiseman und Autor: Emma Greening führten ihren Versuchsteilnehmern einen Film mit einem Taschenspielertrick vor, in dem vorgegeben wurde, daß der Trickkünstler mit magischen Kräften einen Löffel verbiegen könnte. Die Hälfte der Teilnehmer sahen eine Variante des Films, in der die Suggestion gegeben wurde, der Löffel würde sich weiterbiegen, nachdem er abgelegt wurde. Bei der anderen Hälfte fehlte diese Suggestion.

In der Gruppe mit Suggestion, behaupteten 9 der 23 Teilnehmer (39,13%), sie hätten gesehen, wie sich der Schlüssel weiter biegt, während in der anderen Gruppe nur einer (4,35%) dies zu sehen meinte. Alle Beteiligten waren sich relativ sicher, das richtig beobachtet zu haben, egal ob sie meinte, der Schlüssel würde sich weiter biegen oder nicht. Teilnehmer die an Paranormales glaubten, irrten sich genau so oft wie welche, die nicht daran glaubten. 47.

Ähnliches könnte auch in dem Versuch geschehen sein, in dem ein Drittel der Teilnehmer einer geschauspielerten Seance glaubte, bemerkt zu haben daß sich ein Tisch, der das wirklich nicht getan hatte sich bewgt hätte.48.

Die Autoren interpretieren das in der Hinsicht, daß Suggestionen hier zu false Memories geführt hätten. Ich vermute daß es sich eher um eine falsche wahrnehmung handelt, die folgendermaßen zustande kommt: Wie ich indem Beispiel mit den falschen Hüten im Wald schrieb, machde ich beim Wandern regelmäßig die erfahrung, daß wenn man versucht etwas zu sehen, was nicht wirklich zu erkennen ist, daß dann häufig fälschlicherweise das gesuchte in Sinnesreize hineininterpretiert wird, wo es nicht vorhanden ist.
VA169.1.4 Kersti: Die falschen Hütten im Wald
Im genannten Beispiel war ich auf der Suche nach einer auf der Karte eingezeichneten Hütte im Wald, als es schon zu dunkel war, um sie wirklich zu sehen. Ich starrte intensiv in den Wald um die Hütte auf jeden Fall zu finden. Das führte dazu, daß ich ständig Hütten gesehen habe, richtig gesehen als würde da wirklich eine stehen, die sich dann regelmäßig als ein Paar Blätter und Äste herausgestellt haben. Trotzdem hätte ich die echte Hütte nicht gefunden - oder mit viel mehr Aufwand suchen müssen, als es bedeutete die vielen falschen Hütten auf echtheit zu kontrollieren, wenn dieses Phänomen so nicht aufgetreten wäre.

Ich nehme an, daß die Suggestion bewirkt hat, daß die Beobachter ganz genau hinschauen und dadurch Bewegungen auf dieselbe Weise in unklare Wahrnehhmungen hineininterpretieren, wie ich die Hütten in ein paar Äste oder Blätter hineingesehen habe.

Das erklärt auch warum Leute die an Paranormales glauben, dieselbe Wahrnehmung hatten, wie welche, die nicht daran glauben, da zwar die Vorannahmen unterschiedlich sind, aber der kritische wie der zustimmende Beobachter beide nur ganz genau hinschauen ob sich der Schlüssel weiter biegt oder nicht.

Was bei den Hütten im Wald da war war ein zweiter Prüfungsschritt - ist da nun eine Hütt,e wo ich mich reinlegen kann oder nicht, der beim Schlüssel biegen so nicht gegeben war, so daß die falsche Wahrnehmung nicht korrigiert werden konnte.

 
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2.2 False Memories im Spiritismus

Ein Medium, deren Namen mit Miss C. abgekürzt wurde, channelte eine Autor: Blanche Poynings, was sich später als eine verdeckte Erinnerung an die Novelle "Countess Maud" von Emily Sarah Holt (1836-1893)11. herausstellte12. S. 223; 13. S.347.

Blanche Poynings: Falsche Lebenserinnerungen aus einer vergessenen Buchlektüre

Miss C. channelte eine Persönlichkeit namens Blanche Poynings14., die eng mit Maud, der Gräfin von Salisbury15. befreundet gewesen sein soll und zur Zeit der Regierung von Richard dem II.16. von England lebte12. S. 223. Autor: Goldsworthy Lowes Dickinson untersuchte in dem Artikel "A case of emergence of a latent memory under hypnosis"17. diesen Fall und stellte fest, daß die so erlangten Informationen weitgehend korrekt waren. Miss C. konnte sich nicht vorstellen, wie sie an diese Informationen gelangt sein könnte, da sie sich mit der Regierungszeit von von Richard dem II. von England nicht beschäftigt hatte12. S. 223; 13. S.347.

Während einer Seance, in der Miss C. Medium war, fragte Dickinson, wo man diese Informationen verifizieren könne und erhielt die Auskunft, man könne sie in "Countess Maud" von Emily Sarah Holt nachlesen. Als Dickinson Miss C. später im normalen Wachzustand nach dieser Novelle befragte, konnte sie sich erinnern, sie als 12-jährige gelesen zu haben. Sie konnte sich jedoch nicht an den Inhalt des Werkes erinnern. Dickinson las das Buch durch und stellte fest, daß es alle Informationen enthielt, die Miss C. als Blanche Poynings wiedergegeben hatte. Blanche Poynings war eine Nebenfigur des Werkes.12. S.223; 13. S.347

Dies ist einer der bekanntesten Fälle von Kryptomnesie12. S.223; 13. S.347. Um diesen Fall vollständig zu erklären muß man annehmen, daß durch das Channeln die Entstehung einer Zweitpersönlichkeit induziert wurde, die aus den Inhalten der Buchlektüre False Memories konstruiert hat.

 
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2.3 False Memories und vergangene Leben

Autor: Titus Rivas hat eine Reinkarnationserinnerung untersucht, bei der F.H. ein leitender Ingenieur in Rente übetrzeugt war, daß er sich an das damalige Leben und auch an Beweise für die Richtigkeit dieser Erinnerung, die er aus diesem Leben erhalten hatte erinnerte, und sowohl die Erinnerungen aus diesem Leben als auch die Reinkarnationserinnerungen stellten sich als False Memories heraus.18.

Autor: Titus Rivas hat eine Reinkarnationserinnerung untersucht, die tatsächlich eine falsche Erinnerung war.

Falsche Erinnerungen an Alfred Peacock, der beim Untergang der Titanik starb

F.H. ein leitender Ingenieur in Rente bekam diverse Bilder aus einem Leben in dem er ein kleines Kind war und in einer Schiffskatastrophe umkam. Er erinnerte sich an eine Situation, in der sein Name erwähnt wurde, der wie "A .. ed" klang, suchte nach einem solchen Namen in der Passagierliste der Titanik und fand dort einen Autor: Alfred Peacock, der zusammen mit Mutter und Schwester diese Reise unternahm. 1985 suchte F.H. seiner Erinnerung nach diesen Namen in den Archiven des St Catherine's House in London, nach denen Alfred Peacock am selben Tag und Monat geboren worden sei, nämlich den 10.4.1910 in Romford nahe London, an dem auch die Titanik unterging (10.4.1912).

Mit diesen Angaben wandte er sich an Titus Rivas, der sie nachrecherchierte. Dabei ließ sich das Geburtsdatum des Kindes nicht bestätigen, es war tatsächlich am 3. Juni 1910 geboren. Doch nicht genug, damit daß die Erinnerung an den Brief aus seinem jetzigen Leben sich als falsch erwies, ließ sich auch kein einziges erinnertes Detail an das frühere Leben bestätigen, sondern jede Angabe, abgesehen von der, daß ein Alfred Peacock mit Mutter und Schwester dritte Klasse auf der Titanik mitgefahren und dabei umgekommen sind, erwies sich als falsch. Das heißt die Erinnerungen enthielten deutlich mehr falsche als richtige Angaben.

Statt sich überzeugen zu lassen, daß er einem Irrtum aufgesessen war, indem er Alfred Peacock mit seinen Erinnerungen an eine Schiffsreise identifiziert hatte, glaubte F.H. an eine Verschwörung, mit der die Wissenschaftler ihn hätten diskreditieren wollen. 18.

Da false Memories generell für Erinnerungen an dieses Leben nachgewiesen sind, war zu erwarten, daß es solche auch zu Reinkarnationserinnerungen gibt. Ein solches Beispiel erlaubt keine Aussage darüber, ob bei Reinkarnationserinnerungen False Memories häufiger, seltener oder anders geartet sind, als bei Erinnerungen aus diesem Leben, es bestätigt also nur etwas, das schon von vorneherein klar sein sollte.

Um False Memories als Quelle für korrekte Informationen sicher auszuschließen, ist es also notwendig, zu prüfen, ob die Erinnerungen an ein früheres Leben überprüfbar richtige Informationen enthalten, die in leicht verfügbaren Werken wie Lexika, Geschichtsbüchern für die Schule oder die Allgemeine Bevölkerung, historische Romane, Filme, Computerspiele, Live Rollenspiele, sowie in Kontakten mit Personen die den Ort kennen nicht oder fehlerhaft vorhanden wären und die in korrekter Form nur über teure Spezialliteratur, geschlossene Archive oder umfassende Recherchen vor Ort, die die betroffene Person nicht vorgenommen haben kann, ohne daß man davon wüßte, auffindbar wären.

Dies trifft auf die hier aufgezählten Beispiele aus hypnotischen Rückführungen zu
O7.A4.2.2.1 Kersti: Reinkarnationsforschung anhand von Alltagserfahrung und Alltagsgegenständen
O7.A4.2.2.2 Kersti: Einzelfallstudien aus hypnotischen Rückführungen
Die stärkeren Fälle von Ian Stevenson enthalten oft auch private Informationen, die nicht außerhalb der früheren Kernfamilie bekannt, aber überprüfbar richtig sind.
O7.A4.2.1.2.1 Kersti: Erinnerung auch an private Details
Somit gibt es aus allen Zweigen der Reinkarnationsforschung auch Beispiele, die sich nicht mit einer Kombination aus Kryptomnesie und false Memories erklären lassen.

Um auszuschließen, daß es sich um korrekte Informationen handelt, die aber aufgrund der verstrichenen Zeit und der räumlichen Entfernung nicht als korrekt nachweisbar sind, muß ein ausreichender Zugang zu ausreichend detaillierten und spezielle Informationsquellen für den Forscher vorhanden sein.

Daher gibt es wenige Beispiele von offensichtlichen False Memories, wie von Alfred Peacock, es gibt eine große Mehrheit an Reinkarnationserinnerungen, für die nicht überprüft wurde und oft auch nicht überprüfbar ist, ob hinter ihnen reale Leben stehen, die weitgehend korrekt wiedergegeben wurden oder ob es sich um false Memories handelt und es gibt einige Erinnerungen an frühere Leben, die sich nicht über eine Kombination aus false Memories und Kryptomnesie erklären lassen und nachweislich korrekter sind, als das historische und sachbezogene Wissen der betroffenen Personen gewesen sein kann.

Der Fall Bridey Murphy gilt bei vielen als durch false Memories erklärbar, die auf kryptomnetisch erinnerte Fakten eine in derselben Straße wohnende Irin namens Bridey Murphy (die gab es nicht) oder Bridey Corkell (sie gab es tatsächlich) zurückgehen. Da Tighe nach eigener Aussage zwar die Kinder der Frau aber nicht die Frau selbst kannte, ist schon unwahrscheinlich, daß sie überhaupt genug Details erfahren hat, um daraus eine derart umfangreiche false Memory mit vielen überprüfbar richtigen Details, die sie auch noch mit einem irischen Dialekt vorträgt, hätte machen können. Die Art der Details, die bestätigt wurden, wie beispielsweise in welchen Geschäften man an ihrem Wohnort zu Bridey Murphys Zeiten hätte einkaufen können und daß das Wort Lough damals für Flüsse und Seen verwendet wurde, während man es heutzutage nur noch für Seen verwendet, macht eine solche Deutung noch unwahrscheinlicher. Diese bestätigten Fakten über Details der damaligen Gegend lassen sich auch nicht durch eine Ausstellung erklären, in der ein altes irisches Dorf dargestellt wurde, wie ein anderer vorschlug.27. Chapter 6
BP3. Kersti: Bridey Murphy: Details über das Leben in Irland Ende des 18. Jahrhunderts in irischem Akzent

In einer Reihe von 865 Fällen von spontanen Reinkarnationserinnerungen von Kindern waren 67% gelöst und 33% ungelöst40.. Bei einigen ungelösten Fällen erbrachte auch eine sorgfältige Recherche keinen Hinweis auf eine Person, zu der diese Erinnerung passen könnte7.; 25.. Daher ist bei grob einem Drittel der Fälle nicht auszuschließen, daß eine False Memorie vorliegen könnte.

In Reinkarnationserinnerungen aus hypnotischen Sitzungen und anderen Reinkarnationstherapien liegen die Zeiten, in denen die Reinkarnationserinnerungen entstanden sein müßten, im Schnitt weiter zurück als bei diesen spontanen Fällen. Das allein verringert die Chance, die vorherige Persönlichkeit zu finden, schon erheblich.

Wegen der großen Zahl an nicht überprüfbaren Erinnerungen, kann man nur raten, wie hoch der Anteil von falschen Reinkarnationserinnerungen an der Gesamtzahl der Reinkarnationserinnerungen unter welchem Umständen und bei welchem Methoden ist.
O7.A4.2.2.3.2 Kersti: Forschungsidee: Wie unterschiedet sich erfolgreiche therapeutische Arbeit an Fantasieprodukten von der an realen Erinnerungen? - Was lernen wir daraus über das Wesen der Reinkarnationstherapie

 
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2.4 Parallelweltenerinnerungen als Alternativdeutung zu false Memories

Der folgende Abschnitt hat vor allem die Funktion, bewußt zu machen, daß andere Weltbilder oft zu anderen Deutungen derselben Erlebnisse oder Texte führen können und daß in manchen Fällen sich kaum entscheiden läßt, welche Version wahr ist.

Sowohl in der Physik19., 23., 28., 29. S.180ff, 32. als auch in der Esoterik30., 31. begegnet man der Theorie, daß es außer der Erde noch viele Parallelwelten geben könnte, in denen die Geschichte anders verlaufen sein könnte.
VB34.7 Kersti: Gibt es Beweise für die Existenz von Parallelwelten?
Sowohl in den Physikalischen Theorien28. als auch in den esoterischen Theorien, entwickeln sich die so entstandenen Welten nicht nur auseinander, sondern getrennte Welten vereinigen sich auch wieder, wenn sich zwei Ereignisse gegenseitig aufheben.
VB34.2.3 Kersti: Parallelweltenaufspaltung: Zusammenlagerung ursprünglich getrennter Welten durch Resonanzphänomene

In der Esoterik werden diese Theorien von den feinstofflichen Wesentheiten, die sie vertreten, als erlebte Realität präsentiert. Autor: Jane Roberts, beziehungsweise der durch sie gechannelte Seth, beschreibt gegen Ende von "Buch: Das Seth-Material" und in "Buch: Gespräche mit Seth."22. ein komplexes System an Parallelwelten und alternativen Vergangenheiten und Zukünften. Einige dieser Parallelwelten sind unserer sehr ähnlich, nur ist die Geschichte etwas anders verlaufen, andere grundsätzlich anders aufgebaut30., 31..
VA148.2.4 Kersti: Unterschiedliche Jenseitsvorstellungen der Geister: Vieldimensionale Parallelweltensysteme, Aufspaltung und Wiedervereinigung von Welten
Meine eigenen feinstofflichen Anteile vertreten eine ganz ähnliche Sicht.
VB34. Kersti: Das Wesen der Zeit
Sie erklären mir, daß sie das Wissen aus vorauslaufenden Parallelwelten für die Lebensplanung verwenden.
VB157. Kersti: Planung aufgrund einer Übersicht über die bisher bekannten Zukunftsmöglichkeiten und ihre Tücken

Diese Theorien haben für die allermeisten Menschen keine oder kaum Bedeutung. Wesen, die sie nicht persönlich kennen, stellen Behauptungen auf, für die der Leser keine Möglichkeit hat, zu beweisen, ob sie zutreffen oder eben auch nicht. Interessant werden sie erst, wenn seltsame Erlebnisse wie das Folgende eine Erklärung fordern:
E9: Kersti: Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, hat er eben mehr
Es kann auch passieren, daß sich zwei Menschen begegnen, die sich an unterschiedliche Varianten eines Ereignisses erinnern. Meist nehmen wir das nicht als solches zur Kenntnis sondern halten die Variante, die der andere hat, für eine falsche Erinnerung. Es könnte aber auch sein, daß die unterschiedlichen Varianten des Ereignisses in unterschiedlichen nahe verwandten Parallelwelten stattgefunden haben und daß beide sich richtig erinnern. Umgekehrt wäre für die obigen zunächst plausibel klingenden Erinnerungen an die Titanik auch die Erklärung denkbar, daß der Autor aus einer Parallelwelt stammt, in der er sowohl die frühere Inkarnation als auch ihre Überprüfung und Bestätigung erlebt hat.
VB167.2.2.b1 Kersti: Falsche Erinnerungen an Alfred Peacock, der beim Untergang der Titanik starb

In der Physik ist die Viele-Welten-Theorie eine von mehreren Möglichkeiten, wie man die Versuche und Formeln aus der Quantenphysik deuten kann19., 23.. Diese Erklärung nutzt immerhin eine Modellvorstellung, die sich in der Experimentalphysik als Erklärung bewährt hat, um Dinge vorherzusagen, die außerhalb des direkten Erfahrungsbereiches der Physiker liegen. Hier stößt man dann auf das Problem, daß Modellvorstellungen, die sich in einem Bereich, den man aus Erfahrung kennt gute Modellvorstellungen sind, möglicherweise außerhalb dieses Erfahrungsbereiches ungenaue oder offensichtlich falsche Ergebnisse liefern.
VB50. Kersti: 4. Skeptizismus oder die generelle Unsicherheit von Weltbildern
Bevor man Experimente macht, mit denen man überprüfen kann, ob diese Parallelweltentheorien zutreffen, kann man also nicht sicher wissen, ob sie stimmen oder nicht.

Nun gibt es Bücher, in denen behauptet wird, diese Versuche zur Überprüfung der Viele-Welten-Theorie der Quantenphysik hätten längst stattgefunden, das aber unter strengster Geheimhaltung und im Zusammenhang mit Menschenversuchen, die aus einem Horrorfilm entsprungen zu sein scheinen24., 25., 26.. Autor: Oliver Gerschitz, Autor: Preston B. Nichols und Autor: Peter Moon behaupten, Parallelwelten seien besucht worden und es gäbe Kontakte mit Außerirdischen, es wären Experimente mit der Zeit angestellt worden und die zudem noch mehr fantastische Geschichten erzählen, als wir uns irdisch so ohne weiteres vorstellen können oder wollen.

Hier gilt dasselbe wie für die esoterische Variante: Diese Theorien haben für die allermeisten Menschen keine oder kaum Bedeutung. Menschen, die sie nicht persönlich kennen, stellen Behauptungen auf, für die der Leser keine Möglichkeit hat, zu beweisen, ob sie zutreffen oder eben auch nicht. Otto Normalverbraucher kann zwischen folgenden grundsätzlichen Möglichkeiten nicht sicher unterscheiden

Interessant werden solche Bücher erst, wenn eigene seltsame Erlebnisse eine Erklärung fordern:
So lange ein Leser aber keine derartigen Erfahrungen und nicht viel anderes theoretisches unterstützendes Material hat, dürften ihn diese drei Bücher nicht davon überzeugen, daß sein ganzes bisheriges Weltbild falsch ist. Er ist aber sehr wahrscheinlich nicht in der Lage zu beweisen, daß die Autoren nichts dergleichen erlebt haben können, da er er auf Anfrage sicherlich nichts über ein solches geheimes Projekt mitgeteilt bekommen würde. Daher wird er vermuten, daß die enthaltenen Aussagen falsch sind, wenn er realistisch denkt aber einsehen, daß er nicht die Möglichkeit hat, zu überprüfen, ob das in diesen Büchern beschriebene wirklich geschehen ist oder eben nicht.

Die erste Veröffentlichung zu dem von Oliver Gerschitz, Preston B. Nichols und Peter Moon berichteten Themenkreis ist " Buch: Das Philadelphia-Experiment" von Autor: Charles Berlitz, 1979. Am Ende der Neuauflage von 1995 findet sich ein Schreiben des Marineministeriums (Department of the Navy) vom 23. Juli 1979, in dem die behaupteten Ereignisse dementiert werden33.. Zu diesem Thema fand ich einen wissenschaftlichen Artkel von Autor: Jaques F. Vallee in dem das Philadelphia-Experiment als Hoax bezeichnet wird und der Autor Berlitz als renommierten Forscher bezeichnet, von dem er aber annimmt, daß er sich in diesem Fall geirrt habe34.. Vallees Begründung, warum er die Geschichte für einen Hoax hält, ist auch durchaus nachvollziehbar und überzeugend, denn er führt einen Zeugen an, der einen Zeugen zitiert, der erzählt, die Geschichte wäre eigentlich ganz anders und viel konventioneller gelaufen. Die militärische Geheimhaltung hätte sich damals auf Radarunsichtbarkeit bezogen. Damit ist sowohl erklärt, warum Berlitz überzeugende Bestätigungen der Geschichte gehabt haben kann - es fand tatsächlich Geheimhaltung statt, die dann immer auch ein Deckmantel für etwas noch Geheimeres sein kann, aber auch warum es dann doch völlig normal war. Valles Deutung, daß das ein Hoax wäre, ist damit mit den veröffentlichten Fakten vereinbar.

Ist damit bewiesen, daß alles nur ein Hoax ist?

Unglücklicherweise nein. Nach der inneren Logik der Geschichte wären die offiziellen Stellen des Marineministeriums nicht informiert, wenn die Geschichte wahr wäre und es wäre eine logische Geheimhaltungsmethode, die Geschichte mittels einer falschen Zeugenaussage, bei der es nach der inneren Logik der Geschichte logisch wäre, sie mittels künstlich eingepflanzter false Memories zu tarnen, bei der der Zeuge selber glaubt, was er sagt, zu diskretitieren. Es mag sogar sein, daß Charles Berlitz trotz dieser Zeugenaussage genug unveröffentlichte Beweise dafür gehabt hätte, daß das alles zutrifft, um bei seiner Deutung zu bleiben. Man kann das Ding drehen wie man will - man bekommt mit den Mitteln des Normalbürgers nie festen Grund unter den Füßen, weil immer ein völlig logisches und vernünftiges Szenario denkbar wäre, in dem die Geschichte dann doch wahr sein würde. Genau das ist dann auch einer der Punkte, die Vallee dazu anführt, was einen Hoax unsterblich macht.

Die Schlußfolgerungen, die Autor: Jaques F. Vallee zu der Frage, die sein Artikel behandelt, gezogen hat, nämlich "Was braucht ein Hoax um unsterblich zu sein?" bleiben auch dann wahr, wenn die Geschichte wahr sein sollte. Dagegen läßt sich mit Mitteln des Normalbürgers oder Normalwissenschaftlers die Frage, ob die Ereignisse dieser Geschichte wahr oder unwahr sind, mit keinem Trick der Welt absolut sicher entscheiden und jede Schlußfolgerung, die nur dann zutreffen würde, wenn die Ereignisse unwahr wären, wäre damit eine noch unsicherere Schlußfolgerung als "Dies ist nur ein Hoax" es schon ist. Sollte man aber in die Situation kommen, wo man ohne jeden Zweifel weiß, daß alles wahr ist, wäre man froh, nicht in dieser Situation zu sein, weil man mitten in diesen unsäglichen Menschenversuchen gelandet wäre.

 
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2.5 Sind viele spirituelle Erfahrungen false Memories?

Wenn etwas existiert in aller Munde, aber extrem selten ist, kann man die echten Erinnerungen zum Thema zwischen den false Memories suchen wie eine Stecknadel im Heuhaufen.
VB199. Kersti: Selbst wenn es echte UFOs gibt, dürften die meisten UFO-Erinnerungen false Memories sein
O11.2.2.3.5 Kersti: Die echten Erinnerungen zu Satanismus kann man unter false Memories zu Satanismus suchen wie eine Stecknadel im Heuhaufen

Autor: Krissy Wilson und Autor: Christopher C. French kamen, nachdem sie einige wissenschaftliche Artikel gelesen hatten, in denen Personen sowohl zu echten Erinnerungen als auch zu Erinnerungen zu Ereignissen, die nicht stattgefunden hatten oder über die nicht berichtet wurde, befragt wurden und dennoch Details mitteilten, die sie darüber nicht hätten wissen können und von denen vermutet wurde, daß sie den Befragten nicht bekannt sein konnten. Daher befragten die Autoren 100 Personen zu drei Ereignissen über die tatsächlich in den Nachrichten ein Film gezeigt wurde und ein weiteres Ereigis, das nicht filmisch dokumentiert wurde. 36% ihrer Probanden berichteten auch von dem nicht vorhandenen Film. Die Probanden die false Memories glaubten stärker an PSI-Erfahrungen, erinnerten sich häufiger welche gehabt zu haben und schrieben sich häufiger paranormale Fähigkeiten zu. Sie fürchteten sich etwa genauso häufig vor dem Paranormalen, verwendeten etwa so häufig Drogen wie die Personen ohne falsche Erinnerungen. Laut der Regressionsanalyse des Experiments ließ sich nur anhand des Glaubens an paranormale Phänomene statistisch signifikant vorhersagen, ob jemand false Memories hat, nicht jedoch anhand dessen, ob sie meinten, selbst paranormale Erfahrungen oder Fähigkeiten zu haben.36.

Das legt nahe, daß Leute die false Memories berichten, Dinge eher anders bewerten als daß sie sie anders erleben.

 
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3. Traumatische Erfahrungen und false Memories

 
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3.1 False Memories und Erinnerungen an sexuellen Mißbrauch

Im Rahmen von Therapien können ebenfalls False Memories hervorgerufen werden. Da, wie Hyman nachwies, der Versuch sich Erinnerungen bildlich vors Auge zu rufen, die Fabrikation von False Memories begünstigt3., erhöhen Methoden wie Rückführungen mittels Hypnose die Gefahr, daß Patienten False Memories entwickeln.

Beth Rutherford: Erinnerungen einer Jungfrau an Vergewaltigungen und eine Abtreibung

Autor: Beth Rutherford machte bei einem kirchlichen Berater eine Therapie in der sie sich erinnerte, daß ihr Vater, ein Geistlicher sie im Alter zwischen 7 und 14 regelmäßig vergewaltigt hatte und daß ihre Mutter ihm manchmal half sie festzuhalten. Unter der Führung des Therapeuten erinnerte sie sich, wie sie zwei mal schwanger wurde und ihr Vater sie zwang, mit Hilfe eines Kleiderbügels selbst eine Abtreibung vorzunehmen. Der Vater mußte seinen Posten als Geistlicher aufgeben, als diese Anschuldigungen veröffentlicht wurden. Eine spätere medizinische Untersuchung zeigte daß sie im Alter von 22 Jahren immer noch eine Jungfrau war, an der keinerlei Anzeichen einer vergangenen Schwangerschaft zu erkennen waren. Die Tochterverklagte den Therapeuten und erhielt eine Entschädigung in Höhe von einer Million Dollar.1.
Daß es möglich ist, manche Menschen dazu zu bringen, daß sie falsche Erinnerungen nicht existente Kindheitserlebnisse entwickeln, heißt nicht, daß alle Gedächtnisinhalte, die beim Einsatz von Suggestionen auftauchen, falsch sein müssen, sondern nur, daß das in einem Teil der Fälle geschieht4.. Bei scheinbar vergessenen und wiedererinnerten Ereignissen ist es auch möglich, daß verdrängte Erinnerungen wieder aufgedeckt wurden5.. Doch ohne Bestätigung durch zusätzliche Fakten ist es kaum möglich echte Erinnerungen sicher von falschen zu unterscheiden4..

Autor: Elizabeth F. Loftus begründete ihren Einsatz für Menschen, die meinen fälschlicherweise des sexuellen Mißbrauchs angeklagt worden zu sein, mit dem großen menschlichen Leid und den zerstörten Familien. Dabei schildert sie, daß sie immer wieder mit Eltern geredet hätte die entsetzt waren, daß ihnen so etwas vorgeworfen wurde und überzeugt waren, daß es nicht stimmt.20. S.16ff

Die Mutter der mißbrauchten Miß Amerika meint, sie hatte eine glückliche Ehe

Als Autor: Marilyn Van Derbur als Studentin zur Miß Amerika gekürt wurde, glaubte sie, die glücklichste Frau der Welt zu sein.

In den Jahren danach erinnerte sie sich, daß ihr Vater sie als Kind mißbraucht hatte und sie erfuhr nach und nach daß er sowohl ihre beiden Schwestern als auch diverse andere junge Mädchen und Frauen mißbraucht oder vergewaltigt hatte. Daher besteht kaum ein Zweifel, daß der Mißbrauch tatsächlich stattgefunden hat und daß er die Ursache für ihre psychischen Probleme war.

Der Vater selbst gibt den Mißbrauch in einem persönlichen Gespräch mit der zu dem Zeitpunkt etwa 40-jährigen Tochter auch zu.

Marilyn beschreibt ihre Mutter als eine Frau, die sich nicht wehrte, wenn ihr Mann sie abwertete. Sie beschrieb, daß sie nicht oder kaum in der Lage war, ihren Kindern Liebe zu zeigen und ernsthaft glaubte eine glückliche Ehe gehabt zu haben.

Etwa ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters verspürte Marilyn das Bedürfnis ihrer Mutter von dem Mißbrauch zu erzählen. Da sie in einer Phase ihrer Therapie war, in der heftige Gefühle hochkamen, zögerte sie lange, das wirklich zu tun, da sie befürchtete in ihrem aufgewühlten Zustand verletzend zu werden, da sie ihrer Mutter innerlich vorwarf, daß sie ihre Tochter nicht beschützt hatte. Schließlich redete sie doch mit ihrer Mutter, da sie eine regelrechte Besessenheit zu dem Thema entwickelte.

Sie schrieb über die Reaktion ihrer Mutter, nachdem sie unter Tränen von dem Mißbrauch erzählt hatte und sie danach ansah: "Nichts hätte mich darauf vorbereiten können, was dann geschah. Sie saß kerzengrade in ihrem Stuhl, die Hände gefaltet über ihrer Brust und sagte kalt: 'Ich glaube dir nicht. Das existiert nur in deiner Fantasie'".21. ganzes Buch, Zitat: S.229

Insgesamt kann man also sagen, daß sich die Mutter von Marilyn Van Derbur fälschlicherweise eingeredet hat, sie hätte eine glückliche Ehe gehabt, während sie gleichzeitig ihre eigenen negativen Erfahrungen und die ihrer Kinder gründlich verdrängt hat.

Meiner Erfahrung nach sind solche Reaktionen von Müttern nicht selten. Ich habe von Patienten auch immer wieder erzählt bekommen, daß ihre Mütter ernsthaft behaupteten, sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt, obwohl schon der augenblickliche Umgang zwischen erwachsenen Kindern und Eltern zeigte, daß sie vieles nicht gelernt hatten und immer noch Verhaltensmuster hatten, die Jahre früher bei der Kindererziehung zu Problemen geführt haben müssen. Wenn Mütter sich wünschen, daß ihre Kinder bei ihnen eine glückliche Kindheit gehabt hätten und wenn sie ernsthaft daran glauben, daß ihnen das auch gelungen ist, heißt das leider nicht immer, daß es stimmt.

Neben den beiden Möglichkeiten der False Memories an Mißbrauch, der echten Erinnerungen an einen Mißbrauch, der von den Eltern verdrängt wurde, gibt es auch noch die Variante des Betrugs durch eine der Parteien. So hat ein Vater, der wegen Mißbrauchs angeklagt wurde, ein starkes Interesse, diesen Mißbrauch auch dann zu leugnen, wenn er weiß, daß er stattgefunden hat. Eine Person, die viel Geld besitzt, fälschlicherweise des Mißbrauchs anzuklagen, könnte sich durchaus lohnen.

Bei der Diskussion um die Frage, ob es satanistischen rituellen Mißbrauch gibt, diskutiere ich das Thema falsche und echte Erinnerungen ausführlich.
O11: Kersti: Satanistischer ritueller Mißbrauch - Ein komplexes Rätsel, Q

 
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4. False Memories: Wie zuverlässig sind Erinnerungen?

4.1

 
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4.5 Andere Gedächtnisphänomene

Bei False Memories handelt es sich um beinahe das umgekehrte Phänomen wie die Kryptomnesie, bei der die Fakten korrekt wiedergegeben werden, sich der Betroffene aber nicht daran erinnert, wie er sie erfahren hat und sie deshalb möglicherweise für eigene Ideen hält.
VB166. Kersti: Die Bedeutung der Kryptomnesie für die parapsychologische Wissenschaftliche Forschung

Es ist zudem nachgwiesen, daß Erinnerungen verdrängt und danach durch unterschiedliche Methoden wie die Einnahme von LSD, Psychoanalyse oder wieder ins Bewußtsein gerufen werden können. Wenn keine harten Fakten zur Überprüfung der Thesen auffindbar sind, ist es nahezu unmöglich, sicher festzustellen, ob die Ereignisse tatsächlich so wie erinnert stattgefunden hatten.
O11.1.3 Kersti: Verdrängung, Kryptomnesie und Wiederauftauchen von Erinnerungen

Kersti

 
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Quellen


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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