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erste Version vor: 6/2006
letzte Bearbeitung: 7/2010

VA253.

Der Unterschied zwischen wahr, bewiesen, nicht bewiesen, nicht belegbar, nicht beweisbar, widerlegt, falsch

wahr

Wenn etwas wahr ist, ist es einfach wahr. Das heißt aber nicht unbedingt, daß man diese wahre Aussage beweisen kann.

Nehmen wir einmal an, ich stehe im Zimmer und sehe einen roten Teppich vor mir in der Luft schweben. Petra steht mir gegenüber und kann diesen Teppich nicht sehen, obwohl sie dahin schaut, wo der Teppich sein müßte.

In diesem Falle ist meine Aussage: "Ich sehe vor mir einen roten Teppich" unzweifelhaft wahr. Wenn Petra jetzt antwortet: "Ich sehe ihn aber nicht." ist das auch wahr. Ich kann aber eventuell nicht wissen, daß es wahr ist - beispielsweise wenn dieser Teppich völlig echt aussieht und an einer Stelle in der Luft zu schweben scheint, an der Petra ihn doch eigentlich sehen müßte. Sie könnte mich ja belügen.

Ob die Aussage: "Da schwebt ein roter Teppich in der Luft." wahr ist, ist dagegen nach obiger Situationsbeschreibung nicht so leicht zu entscheiden: Eventuell ist es eigentlich ein weißer Teppich der mit rotem Licht angestrahlt ist und für mich deshalb rot aussieht. Oder der Teppich befindet sich nicht wirklich dort in der Luft, sondern liegt irgendwo anders und das Bild des Teppichs wurde mir Hilfe einer Linse dorthinprojiziert und Petra kann ihn nicht sehen, weil das Licht von hinter ihr kommt. Oder aber ich habe eine Halluziation.

Ob es wahr ist, daß der Teppich da schwebt, hängt nicht davon ab, ob ich es beweisen kann. Viele wahre Aussagen sind mit verfügbaren Mitteln weder beweisbar noch belegbar.

belegt

Man belegt eine Aussage, indem man Beweisstücke oder Autoren die dieselbe Ansicht vertreten anführt oder vorzeigt. Als Belege können gelten:
  • Zeugenaussagen
  • Literaturangaben
  • Gegenstände die die Richtigkeit der Aussage bestätigen
  • Fotos, Zeitungsausschnitte, etc.
  • Beobachtungen die durch
    • Zufall
    • Studien
    • oder Versuche / Experimente
    gewonnen wurden
Etwas "belegen" beinhaltet keine formallogische Beweisführung.

bewiesen

In einer Beweisführung werden Beweise logisch miteinander verknüpft, um Menschen davon zu überzeugen, daß etwas wahr ist. Wenn dieses Überzeugend gelingt, gilt eine Aussage als "bewiesen".

Als Beweise können gelten:

  • Allgemein als wahr anerkannte Prämissen
  • Alle Typen von Belegen
  • eigene Experimente
Wenn etwas bewiesen wurde, kann es trotzdem falsch sein, weil die allgemein anerkannten Prämissen, die meist einfach für Tatsachen gehalten werden, falsch waren und dadurch die gesamte Beweisführung falsch wurde ist. Auch Belege aller Art können gefälscht worden sein.

nicht bewiesen, unbewiesen

Als "nicht bewiesen" oder "unbewiesen" gilt alles, für das keine überzeugende Beweisführung gemacht wurde. Wenn etwas nicht bewiesen ist, kann es trotzdem wahr sein, nur daß halt sich noch niemand die Arbeit gemacht hat, es zu beweisen. Oder es kann wahr sein - aber aus irgendwelchen Gründen ist es unmöglich es zu beweisen.

Beispielgeschichte, Kersti:

Im Bereich der Parapsychologie ist es so, daß die Fachleute nahezu alle letztlich zu der Überzeugung gelangen, daß Phänomene wie Reinkarnation, Telepathie, Außerkörperliche Erfahrungen mit realen Beobachtungen zu einem Zeitpunkt, wenn das Gehirn nicht arbeitet, existieren, daß man diese Phänomene aber nicht zuverlässig willentlich hervorrufen kann. Die wissenschaftliche Gemeinde als Ganze glaubt jedoch nicht an dieses Phänomen.

In einer solchen Konstellation: "Die Fachleute wurden fast alle von den Beweisführungen überzeugt, fast alle anderen nicht" gibt es drei redliche Aussagen dazu, ob etwas bewiesen sei: Man kann sagen:
  • "Diese Meinung ist bewiesen.", da die Meinung der Fachleute maßgeblich ist
  • man kann sagen, "Sie ist umstritten.", da die Fachleute mit ihrer Meinung weitgehend alleine dastehen
  • oder man kann sagen, daß die Beweisführung den Autor des Textes nicht überzeugt hat.
Zu behaupten diese Theorien wären "unbewiesen", ohne deutlich zu machen, daß die Fachleute da anderer Ansicht sind, ist in so einem Fall unredlich, da er damit den falschen Eindruck erzeugt, diejenigen Menschen, die die meiste Ahnung vom Thema haben, wären der Ansicht, die Theorie sei unbewiesen.

nicht belegbar

Nicht belegbar sind Behauptungen, für die sich keine Belege auftreibbar sind. Eine nicht belegbare Aussage kann trotzdem wahr sein.

nicht widerlegbar

Nicht widerlegbar sind Behauptungen, die so gut belegt sind, daß es unmöglich scheint, eine noch beweiskräftigere Sammlung an Belegen anzusammeln, die belegen, daß es falsch ist.

Ebenfalls nicht widerlegbar sind Aussagen, für deren falsch sein keine Belege vorstellbar sind. Wenn beispielsweise bewiesen wäre, daß es unendlich viele Parallelwelten gibt, die man prinzipiell nicht alle erforschen kann, läßt sich folgende Aussage nicht widerlegen, selbst wenn sie falsch sein sollte:
"Auf einer der vielen Parallelwelten gibt es Schlurche, deren Kopf am Arsch angewachsen ist."

nicht beweisbar

Nicht beweisbar sind Aussagen, die man nicht beweisen kann.

Die Aussage "Gott befindet sich irgendwo, wo wir ihn nicht finden können" ist beispielsweise prinzipiell nicht beweisbar. Wenn wir ihn suchen und finden, haben wir sie widerlegt, wenn wir ihn suchen und nicht finden, könnte die Aussage trotzdem falsch sein, entweder weil wir nicht sorgfältig genug gesucht haben, oder aber weil es ihn nicht gibt, und er sich deshalb nirgendwo befindet. Die Aussage "Gott befindet sich irgendwo, wo wir ihn nicht gefunden haben" ist dagegen beweisbar. Wenn wir ihn suchen und finden, haben wir bewiesen, daß sie wahr war. Natürlich ist sie dann von diesem Augenblick an nicht mehr wahr, denn jetzt haben wir ihn in diesem hypothetischen Beispiel ja gefunden.

widerlegt

Widerlegt ist etwas, für das belegt ist, daß es nicht stimmt. Hier gilt dasselbe wie für den Begriff belegt - auch eine Ansicht, die widerlegt wurde, kann sich im nachhinein als wahr erweisen, wenn sich herausstellt, daß die Belege falsch oder irreführend waren.

falsch, unwahr

Die Wörter falsch und unwahr bedeuten dasselbe, nämlich das Gegenteil von wahr.

denkbar

Als "denkbar" bezeichnet man Ideen oder vorstellungen, die nicht widerlegt sind.

Lüge

Eine Lüge ist eine Aussage, die derjenige, der sie ausspricht für falsch hält. Trotzdem kann in manchen Fällen eine Lüge auch eine wahre Aussage sein.

Beispiel: Ein Widerstandskämpfer wurde von der Gestapo befragt, wo seine Komplizen seien. Da er genau wußte, daß sie dort nicht hingehen wollten, sagte er, sie seien auf dem Friedhof. Die Gestapo schickte Leute zum Friedhof, fand dort die Komplizen des Widerstandskämpfers und nahm sie gefangen.
Hier hat der Widerstandskämpfer gelogen und gleichzeitig die Wahrheit gesagt.

Irrtum

Ein Irrtum ist eine Aussage, die derjenige, der sie macht, für wahr hält, die aber trotzdem falsch ist. Oder aber eine Aussage, die er für Falsch hält und die trotzdem wahr ist. Ein Beispiel hierfür ist wieder die Geschichte mit dem Widerstandskämpfer und der Gestapo.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.