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erste Version zwischen dem 15.02.2000 und dem 01.05.2000
letzte Überarbeitung: 7/07

VB13.

1. Besuch im Frankfurter Zentrum der Scientology-Church

Erster Eindruck

Nachdem ich mich ausführlich aus allen mir verfügbaren Quellen (Freie Zone, L. Kin, Schriften der Church) über die Scientology-Church informiert habe, habe ich das Frankfurter Zentrum der Scientology-Church besucht, um mir einen eigenen Eindruck von der Sache zu machen. Ich nahm mir vor, mich auf nichts einzulassen, das über den Besuch dort hinausging.

Nachdem ich außerhalb Frankfurts am ehemaligen Standort den Hinweis fand, daß das Zentrum umgezogen sei, fand ich das Frankfurter Zentrum der Scientology-Church schließlich in der Innenstadt.

Die Eingangstür entsprach zu meinem fassungslosem Erstaunen den Vorstellungen, die man sich von einer durchschnittlichen Kitsch-Sekte macht. Scheußlich. Normalerweise entspricht die Realität Klischees nicht so genau. Ich trat ein und sah mich im Treppenhaus um. Bilder von einer Demonstration in Bonn für Religionsfreiheit. Meiner Ansicht nach ist es unzutreffend, die Scientology-Church als Kirche zu bezeichnen. Was sie groß gemacht hat, ist eine wirkungsvolle Psychotherapie - wobei dummerweise auf der anderen Seite zerstört wird, was durch die Psychotherapie aufgebaut wurde. Dadurch entsteht eine lebenslange Abhängigkeit, wenn der Betreffende dieses System nicht durchschaut.

Oben in den Räumen selber fiel mir als erstes eine bedrückende Athmosphäre auf. Das war allerdings eine Energiewahrnehmung, die durch die geschmackvolle Einrichtung und die normale Kleidung der Anwesenden in keiner Weise unterstützt wurde.

Ich schaute mir die herumliegenden Bücher und Broschüren an. Die Bücher hatten meiner Ansicht nach zu wenig Inhalt für ihren Umfang. Die freie Wirtschaft sortiert den Mist wohl viel wirkungsvoller aus, als ein eine zentralisierte Sekte das jemals kann. Dann lag noch ein kleiner Zettel herum, eine Art Ankreuztest. Vorne drauf war ein Foto von Einstein mit herausgestreckter Zunge und der Behauptung, daß jeder diese Fähigkeiten in sich entwickeln könne. Ein geschickter Werbegag. Mir fiel auf, daß mein Arm leicht zitterte. So geringfügig, daß es unsichtbar war. Als einziger Grund fiel mir ein, daß ich die letzten Tage zu wenig geschlafen hatte.

Kontaktaufnahme

Eine Frau kam und fragte mich, ob ich einen Intelligenztest machen wolle. Ich stimmte zu, da mir das die einzige Möglichkeit schien, einen Mitarbeiter der Church alleine zu sprechen.

Durch meine intensive Beschäftigung mit den Methoden der Scientology-Church, wußte ich ziemlich genau, durch welche Frage was herausgefunden werden sollte. Ich kam deshalb auf den Gedanken, die Fragen so zu beantworten, daß ich damit meine Theorie überprüfen konnte.

Die Frau, die mir den Test zum Lösen gegeben hatte, kam wieder vorbei und fragte mich, ob ich schon so weit sei. Ich verneinte und sagte ihr, was ich vorhätte. Sie sagte mir, daß es besser sei, den Test richtig auszufüllen, da ich davon doch mehr hätte.

Nach kurzem Überlegen, kam ich zu dem Ergebnis, daß sie recht hatte, wenn auch aus anderen Gründen, als sie dachte. Wenn ich ihr ein halbwegs realistisches Bild von mir liefere, kann ich mir auch ein realistischeres Bild von Angemessenheit der Auswertung des Testes machen.

Also füllte ich den Test aus. Wenn gefragt wurde, ob ich etwas "manchmal" mache, überlegte ich, ob mir EINE Situation in den Sinn kam, in der ich in den letzten zwei bis drei Jahren entsprechend reagiert habe. Das dürfte das Bild erheblich ins Negative verfälscht haben.

Gespräch zur Testauswertung

Im anschließenden Gespräch mit der Mitarbeiterin stellte sich heraus, daß die Auswertung so zutreffend war, wie man das bei einem Kurztest erwarten kann, der auf Vorder- und Rückseite eines A4-Blattes Platz findet. Die Schwächen gab sie da an, wo sie tatsächlich sind, wenn das Ergebnis auch negativer ist, als ich mich einschätze. Aber das war ja durch meine etwas eigenwillige Interpretation von "manchmal" zu erklären.

Die Mitarbeiterin hatte offensichtlich tatsächlich gelernt, die innere Haltung einzunehmen, die ich als Option-Haltung kennengelernt hatte, wiederholte jedoch bei jeder Gelegenheit, die der Gesprächsstoff bot, ihre Ansicht, daß ich bei der Scientology-Church eine Therapie machen müsse. (Das wäre in einem Option-Dialog nicht erlaubt gewesen.) Ich antwortete ebenso geduldig und heiter mit "nein".

Sie erzählte im Verlauf des Gesprächs, daß ihr die Methoden der Scientology-Church einmal sehr geholfen hätten, und daß sie deshalb mithelfen wolle, dies möglichst vielen zugänglich zu machen. Ein sehr ehrenwerter Grund, etwas zu tun.

Am Ende machte ich sie lächelnd darauf aufmerksam, daß sie zwar behauptete, mich in keine Richtung drängen zu wollen, tatsächlich aber sehr hartnäckig darauf bestand, daß ich etwas tun müsse. Daraufhin meinte sie:
"Da du dich jetzt sowieso nicht entscheiden kannst, will ich dich nicht weiter drängen."

Damit spielte sie auf meine Bemerkung an, daß ich grundsätzlich keine weitreichenden Entscheidung in Gegenwart Anderer treffe, da ich oft im Nachhinein feststelle, daß ich mich durch die Gefühle meines Gegenübers in eine Richtung hatte drängen lassen, in die ich eigentlich nicht wollte. Sie konnte mich durch diese Bemerkung nur deshalb nicht beeinflussen, weil diese Tatsache meine Selbstachtung nicht ankratzt. Außerdem litt ich im Augenblick überhaupt nicht an der Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen. Dafür sorgte ihre Option-Haltung. Für eine Therapie werde ich mir unter Garantie nie die Scientology-Church aussuchen.

Zwischenspiel

In der Straßenbahn zu meinem eigentlichen Wochenendziel, stellte ich fest daß das Zittern aufgehört hatte.

V99. Kersti: 2. Besuch im Frankfurter Zentrum der Scientology-Church

Kersti

V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben.
V22. Kersti: Sektenstrukturen in der normalen Gesellschaft
V25. Kersti: Sekten, Sucht und Suche
V27. Kersti: Historischer Sektenbegriff
V60. Kersti: Wie gefährlich sind Sekten?
V61. Kersti: Sektenstrukturen abbauen
V62. Kersti: Wie gehen wir sinnvoll mit Sekten um?
V100. Kersti: Sekteneigenschaften - Was sind Sekten?
V147. Kersti: Erst ihr Gutes macht Sekten gefährlich
V194. Kersti: Was unterscheidet eine Gehirnwäsche von einem Dazulernen?
V195. Kersti: Sekteneigenschaften: Die Scientology-Church ist eine Sekte.
V213. Kersti: Was unterscheidet eine Ideologie von einem gesunden Weltbild?
V214. Kersti: Wie richtig oder falsch ist das Weltbild der Scientology-Church?
V215. Kersti: Der dunkle Tunnel mit dem Licht am Ende und Scientology
V222. Kersti: Die L.Kin Schule
V223. Kersti: Option - was mir einmal sehr geholfen hat
V231. Kersti: Frühere Leben von mir, thematisch sortiert
V233. Kersti: Warum ich die wilden Geschichten über Xenu und Konsorten im Wesentlichen für wahr halte
V235. Kersti: Was heißt "clear"?
V246. Kersti: Esoterik und Exoterik
V248. Kersti: Spielverderber - oder - Wer sind die Guten?
V281. Kersti: Wie man Menschen von außen in eine Sekte sperren kann...
V282. Kersti: Ratschläge für Angehörige von Sektenmitgliedern
V283. Kersti: Die Billigsten sind oft die Besten...
V318. Kersti: Option: "Und ich hatte doch recht gehabt!"
V319. Kersti: Was heißt "Ichlosigkeit"?
V320. Kersti: Im oberen Teil der Brücke wird man verrückt!
VA1. Kersti: Sekteneigenschaften als Folge von Ausgrenzung
VA44. Kersti: Sind Erleuchtete, Eingeweihte, Clears, OTs, Zen-Meister oder Heilige Übermenschen?
VA47. Kersti: Die verdrängte Wahrheit ist immer schlimmer, als die Deckerinnerung hinter der wir sie verstecken
VA48. Kersti: Direkte Zensur - indirekte Zensur - Gedankenzensur
VA63. Kersti: Heißwassertrinken, Knetfiguren - oder woran man Scientology erkennt
VA85. Kersti: Scientology: Wie der Eindruck entsteht, Hubbard hätte mehr geleistet als menschenmöglich
VA98. Kersti: Tonskala - Skala der Gefühle
VA103. Kersti: Sektenhetze
VA106. Kersti: Reinkarnation
VA108. Kersti: Ausgrenzung
VA109. Kersti: Geistige Gesundheit
VA111. Kersti: Lexikon der Scientologischen Begriffe
VA112. Kersti: Geistige Freiheit
VA115. Kersti: Phänomen Scientology
VA116. Kersti: Auditieren - und es funktioniert doch!
VA118. Kersti: Eine irre Reise durch meine persönlichen Reinkarnations-Erinnerungen
VA124. Kersti: Kirchenweltbild und Scientologyweltbild - wie paßt das zusammen?
VA213. Kersti: Ich bin eine Gruppenseele - oder - Der "Es ist echt!"-Schock
VA244. Kersti: Die Entwicklung des "typischen Scientologen"
VA245. Kersti: Scientology-Church und schwarze Magie
VA247. Kersti: "Clear World" heißt dasselbe wie "Der Aufstieg der Erde"
VA248. Kersti: Wie funktioniert Reinkarnationstherapie?
VA258. Kersti: Richtigstellung von ein paar Mythen über die Scientology-Church
VA278. Kersti: Die Scientology-Church steht auf der Tonstufe Mitleid
VA311. Kersti: Welche Auswirkungen haben Erinnerungen an frühere Leben auf dieses Leben?

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.