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8/2008

VB58.

Drei Arten der Disziplin

 
Inhalt

Äußere und innere Disziplin

Äußere Disziplin

Äußere Disziplin ist eine Disziplin die von Außen durch Druck aufgezwungen wird. Den Sinn der einzelnen Regeln sieht der Betroffene nicht ein und er wird aufhören diszipliniert zu sein, sobald der Aufsichtführende wegschaut oder zu wenig Zwang aufwendet.

So funktioniert Moral auf Niveau eins von Kohlbergs Moralstufen.
O6. Niveau 1 - Prämoralisch

Verinnerlichte äußere Disziplin

Wenn ein Mensch die äußeren Regeln, nach denen sich die Disziplin richtet, verinnerlicht und als richtig übernimmt, dann handelt es sich um verinnerlichte äußere Disziplin. Sie funktioniert auch dann, wenn niemand die Regeln kontrolliert.

In der Psychoanalyse, wird eine solche Verinnerlichung der äußeren Disziplin als Über-Ich-Konstruktion bezeichnet. Das Über-Ich vertritt die moralischen Maßstäbe, Werte und Einstellungen in der Persönlichkeit, die aus der Familie und Gesellschaft übernommen wurden. Gegenüber dem Ich hat es die Rolle des Richters, gegenüber dem Es wehrt es wie ein Zensor unpassende Triebregungen ab. Aus Konflikten zwischen dem Über-ich, Ich und Es entstehen Verdrängungen und ihre Folgen.
VB156. Kersti: 3. Ich, Über-Ich und Es nach Freud und Kohlbergs Moralstufen

So funktioniert Moral auf Niveau zwei von Kohlbergs Moralstufen.
O6. Niveau 2 - Moral der konventionellen Rollenkonformität

Autonome innere Disziplin

Wenn die Person jede einzelne Regel, zuerst anhand grundlegender moralischer Prinzipien überprüft ob sie im konkreten Einzelfall immer noch richtig oder falsch ist, da die ursprünglich zur Aufstellung dieser Regel führenden Gründe hier nicht vorliegen und sich auch eigene Regeln schafft, bevor sie die richtigen und eigenen Regeln befolgt, so handelt es sich um eine autonome innere Disziplin.

So funktioniert Moral auf Niveau drei von Kohlbergs Moralstufen.
O6. Niveau 3 - Moral der selbst akzeptierten moralischen Prinzipien
Im Gegensatz zum klassischen Über-Ich müssen hierbei Triebe und Wünsche, die den als moralisch richtig empfundenen Entscheidungen entgegenstehen, nicht verdrängt werden. Menschen deren Handlungen aus autonomen Moralvorstellungen resultieren, betrachten jeden Wunsch entweder als einen Irrtum, den man korrigieren kann: "Da habe ich etwas falsch eingeschätzt und mir deshalb etwas gewünscht, was mir in Wirklichkeit schadet", oder als einen Wunsch, der angemessen berücksichtigt werden muß, um die moralisch richtige Entscheidung zu treffen. Regeln entstehen aus einer Abwägung einander entgegenstehender Interessen. Die richtige Entscheidung kann man nur treffen, wenn man alle Interessen kennt und bewußt gegeneinander abwägt. Es ist nicht mehr böse, sich etwas zu wünschen, was der moralisch richtigen Entscheidung entgegensteht, sondern es ist bedauerlich, daß man diesem Wunsch aufgrund wichtigerer Gründe nicht erfüllen kann.

 
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Auswirkungen von Disziplin

Disziplin ist das Maß, in dem ein bestehendes Regelwerk eingehalten wird. Zu viel Disziplin führt zu Streß, weil die Betroffenen zu sehr unter Druck gesetzt sind, die Regeln einzuhalten. Zu wenig Disziplin führt zu Streß, weil niemand mehr weiß, womit zu rechnen ist, weil das Verhalten der anderen unvorhersehbar und störend ist.

Die autonome innere Disziplin unterscheidet sich von äußerer und verinnerlichter äußerer Disziplin insofern, daß die aufgestellten Regeln die eigenen Bedürfnisse auch dann angemessen berücksichtigen können, wenn die eigenen Bedürfnisse sehr stark von den Bedürfnissen der meisten Menschen abweichen. Ebenso kann jeder eigene und fremde private Wunsch bei der Aufstellung der Regeln gleich mit eingebaut werden. Das führt dazu daß eine hohe Disziplin bei der Einhaltung der Regeln möglich wird, ohne Streß hervorzurufen. Menschen mit autonomer innerer Disziplin sind deshalb sehr konsequent bei der Einhaltung ihrer selbst aufgestellten Regeln, ohne dadurch in Streß zu geraten.

Andererseits führt autonome innere Disziplin auch dazu, daß die Betroffenen immer wieder konsequent gegen diejenigen Regeln der Außenwelt handeln, die den inneren Regeln eklatant widersprechen. Das führt bei Menschen mit verinnerlichter äußerer Disziplin regelmäßig zu Streß, besonders, weil Druck ausüben dagegen nicht hilft. Derjenige mit autonomer innerer Disziplin muß also lernen, daß Regelsysteme als solche für andere wichtig sind und darauf Rücksicht nehmen, sofern keine wichtigen Gründe dem entgegenstehen.

 
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Wieviel Disziplin ist gut?

Wie man sich nach Betrachten der unterschiedlichen Arten der Disziplin denken kann, ist es bei autonomer innerer Disziplin völlig sinnlos gegen den eigenen Kodex zu verstoßen. Je mehr Disziplin desto besser. Andererseits kann die Disziplin eines Menschen mit autonomer innerer Disziplin auf andere völlig undiszipliniert wirken, weil sie beispielsweise im Falle von ADHS Regeln beinhalten kann wie: Wenn ich mich gerade gut genug fühle, um ungeliebte Routinearbeiten zu machen, mache ich das sofort. Wenn die Fehlerquote über ein bestimmtes Maß steigt, breche ich Routinearbeiten ab. Oder dasselbe auch für nächtliche zündende Ideen und bei der Arbeit an einen toten Punkt kommen. Andere Leute mit autonomer innerer Disziplin wirken auch auf andere Menschen sehr diszipliniert, weil sie eine andere Veranlagung haben und ein so unregelmäßiger Arbeitrythmus ihnen nur schaden und nichts bringen würde.

Verinnerlichte äußere Disziplin ist auch für Außenstehende leicht als Disziplin zu erkennen, da ja immer von außen vorgegebene Regeln übernommen wurden, die deshalb auch anderen bekannt sind. Sie darf aber nicht vollständig durchgezogen werden, weil der Betroffene damit seine eigenen Bedürfnisse teilweise übergehen und sich letztlich kaputt machen würde.

Äußere Disziplin macht nur dann wirklich Sinn, wenn der Betreffende zu den anderen beiden Arten der Disziplin noch nicht fähig ist, weil er in der Moralentwicklung noch nicht weit genug ist. Und es ist extrem wichtig, daß sie nur behutsam und bei wichtigen Dingen angewendet wird. Das Schwergewicht sollte darauf liegen, den Betroffenen im Denken weiterzubringen, damit er nach und nach die anderen beiden Arten der Disziplin erwirbt.

Kersti

VB3. Kersti: Das darfst du nicht sagen, du mußt wissen, daß es falsch ist!
VB4. Kersti: Warum ich so viele persönliche Erfahrungen beschreibe
VB15. Kersti: Lernen: Zwischen den Stühlen
VB38. Kersti: Die Erde: Eine Wirklichkeit der Verführung
VB50. Kersti: Entwicklungspsychologie: Weltbild-Stufen
VB56. Kersti: Verschiedene Formen des Ahnung habens
V57. Kersti: Wie gehe ich mit Macht um?
V79. Kersti: Ehre und Treue
V85. Kersti: Ideale: Was mir wirklich geholfen hat
V86. Kersti: Lerne die Regeln
V87. Kersti: Leute, die mehr Macht haben, als sie überblicken, neigen dazu:
V88. Kersti: Eine ständige Umverteilung von arm zu reich, ruft folgende Reaktionen hervor:
V89. Kersti: Nicht alles ist käuflich
V90. Kersti: Was für Politiker wollen wir im Bundestag?
V91. Kersti: Instinkte und Freiheit
V107. Kersti: Der Unterschied zwischen konstruktiver und freundlicher Kritik
V111. Kersti: Warum ich "gut" mit "vernünftig" gleichsetzte
V114. Kersti: Ausgrenzung: Ich bin zu stolz, um gegen mein Gewissen zu handeln
V141. Kersti: Eine andere Gewaltenteilung: Krieger und Heiler
V142. Kersti: Das Böse ist von Angst erfüllt
V143. Kersti: Der Zweck heiligt die Mittel?
V145. Kersti: ... eine in den Raum gesprochene Bitte
V146. Kersti: Wahre Weisheit klingt naiv
V147. Kersti: Erst ihr Gutes macht Sekten gefährlich
V154. Kersti: Prinzipien der kollektiven Entscheidungsfindung
V159. Kersti: Warum ich nicht hasse
V165. Kersti: Meinungsfreiheit - ein Luxus?
V173. Kersti: Was ist Gewissen?
V277. Kersti: Das Prinzip der Narrenfreiheit
V281. Kersti: Wie man Menschen von außen in eine Sekte sperren kann...
V283. Kersti: Die Billigsten sind oft die Besten...
V285. Kersti: Keine Liebe ohne "Nein"
V299. Kersti: Der Unterschied zwischen Elitebewußtsein und Standesdünkel
V318. Kersti: Option: "Und ich hatte doch recht gehabt!"
V319. Kersti: Was heißt "Ichlosigkeit"?
V320. Kersti: Im oberen Teil der Brücke wird man verrückt!
VA1. Kersti: Sekteneigenschaften als Folge von Ausgrenzung
VA2. Kersti: Hoffnungslosigkeit und doch nicht aufgeben
VA3. Kersti: Warum spirituelles Lernen so irritierend ist
VA5. Kersti: Gefährliche Formen der Aufklärung
VA45. Kersti: Was ist an Heiligen so gefährlich, daß man sie unbedingt totschlagen muß? oder Wunder sind wie eine Vergewaltigung
VA47. Kersti: Die verdrängte Wahrheit ist immer schlimmer, als die Deckerinnerung hinter der wir sie verstecken
VA48. Kersti: Direkte Zensur - indirekte Zensur - Gedankenzensur
VA50. Kersti: Denken verboten Schilder...
VA51. Kersti: Es gibt drei Typen von Vorgesetzten
VA53. Kersti: Sind Schläge oder nicht Schläge in der Erziehung wirklich so wichtig?
VA98. Kersti: Tonskala - Skala der Gefühle
VA114. Kersti: Wie Denken funktioniert
VA162. Kersti: Prüfet alles...
VA163. Kersti: Die Wirkung indirekter Kritik
VA170. Kersti: Was die Entscheidung für die Liebe uns schenkt
VA189. Kersti: Schule: Auslese oder Berufsfindungshilfe
VA197. Kersti: Entwicklungs- psychologische Trennung zwischen materieller Realität, Fantasie und Geistigen Welten
VA199. Kersti: Können Engel böse sein?
VA210. Kersti: Wann wird telepathische Beeinflussung unmoralisch?
VA255. Kersti: Das Geschlossene-Anstalt-Phänomen
VA278. Kersti: Die Scientology-Church steht auf der Tonstufe Mitleid
VA315. Kersti: Hochbegabung: Warum ich nicht wahllos jeden sozialen Kontakt pflege
VA316. Kersti: Warum reden manchmal die angemessenste Handlung zur Lösung eines Problems ist

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
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