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erste Version zwischen: 16.5.01 und 29.08.01
letzte Überarbeitung: 6/07

V312.

Manchmal wünschte ich mir, ich hätte wenigstens in irgendeinem Bereich eine durchschnittliche Begabung

Kurz vor dem Abitur machte ich - im Wesentlichen weil ich absolut keine Ahnung hatte, welchen Beruf ich hätte ergreifen mögen - einen mehrstündigen Intelligenztest mit. Nachher wurde mir gesagt, daß mein Ergebnis für Abiturienten leicht überdurchschnittlich gewesen sei. Ich habe mein Abitur mit einem Schnitt von 3,3 gemacht, wobei ich in Sprachen schlechter war als in den anderen Fächern.

Danach könnte man also annehmen, daß ich weder allzu bemerkenswerte Begabungen, noch allzu gravierende angeborene geistige oder körperlliche Schwächen habe. Das allerdings ist ein Irrtum.

  • Ich bin Legasthenikerin und zwar in einem Maße, daß ich bis zur dritten Klasse trotz regelmäßigen Übens mit meiner Mutter normalerweise mehr Fehler als Worte in einem Diktat hatte. Gebessert hat sich das erst durch eine Lehrerin, die jeden Tag mit der Klasse ein Diktat von ein bis zwei Sätzen Länge geschrieben hat. Also viel kürzer als die, die meine Mutter mit mir schrieb, so daß es mir gelang, mich vom Anfang bis zum Ende des Diktats aufs Schreiben zu konzentrieren. Auch als ich als Erwachsene begann mit dem Computer zu schreiben, hatte ich am Anfang wieder mehr Fehler als Worte, was sich aber gegeben hat, da ich inzwischen ein paar tausend Seiten Geschichten, Mails und Artikel in den Computer getippt habe.
  • Die übliche Art des Vokabelnlernens ist für mich völlig ungeeignet, da ich mir durch reines Auswendiglernen der Übersetzungen nichts merken kann. - Viel extremer zeigt sich diese Schwäche beim Auswendiglernen von Geschichszahlen, die ja keine sprachliche Wurzel haben, anhand derer man sie dem zugehörigen Ereignis zuordnen könnte. Einmal habe ich mehrere Stunden lang sechs Geschichtszahlen geübt. Am nächsten Tag wußte ich davon keine einzige. - Wenn ich die Bedeutung der Vokabeln an den Rand des Textes schreibe, lerne ich sie anhand des Textzusammenhanges ohne jegliches Üben spätestens beim zweiten oder dritten mal.
  • Ich habe ein weit überdurchschnittliches räumliches Vorstellungsvermögen. Das wurde in obigem Intelligenztest nachgewiesen.
  • Dieses räumliche Vorstellungsvermögen nutze ich, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen. (Gedankenkristalle) Ich kann von mir sagen, daß es mir noch nie passiert ist, daß mir etwas zu kompliziert war um es zu verstehen. Das Zauberschloß mit seinen inhaltlichen Vernetzungen beispielsweise hatte ich während meiner Arbeit daran vollständig im Kopf. Auch eine graphische Darstellung eines vernetzten Systems, die in Natur erschienen war, um zu zeigen daß das viel zu kompliziert sei, um von Menschen verstanden zu werden, las ich mir einmal kurz durch und schrieb es am nächsten Tag während einer Klassenarbeit vollständig ins Heft. Es ist mir aber schon öfters passiert, daß mir Dinge zu einfach waren, um sie mir zu merken. - Beispiel Geschichtszahlen. Das Problem ist nicht, daß es nicht in meinem Gedächtnis abgespeichert würde, sondern daß mir Verbindungen zu anderen Inhalten meines Gedächtnisses fehlen, anhand derer ich es wiederfinden könnte.
  • Filme merke ich mir beim ersten Anschauen so vollständig, daß ich beim zweiten sehen nichts neues darin entdecke. (Wohl aber zwischendurch, wenn ich etwas dazulerne - dann schaue ich mir den Film im Geiste noch einmal an und sehe Sachen, die ich vorher nicht entdeckt habe.)
  • Ich habe so viel Fantasie, daß ich in keinem Bereich alle Produkte meiner Fantasie ausnutzen kann. Ich erfinde etwa zehnmal so viele Geschichten, wie ich aufschreiben kann, singe regelmäßig neuerfundene Lieder die ich während des Singens mit Text und Melodie erfinde - aber auch in alltäglichen praktischen Dingen kommt mir diese Fantasie zugute. So hat es mich beispielsweise erschreckt, daß Blinde in Praktischen Dingen nicht besser ausgebildet werden, als ich es aus dem Stehgreif könnte. Oder scherzhaft ausgedrückt - wenn es drei Möglichkeiten gibt eine Aufgabe zu erledigen, nutze ich vier fünf und sechs abwechselnd, weil es so schneller geht und ich weniger Fehler mache.
  • Es fällt mir extrem schwer, mir Reihenfolgen zu merken. Nachdem ich drei Jahre lang wöchentlich Iaido gemacht habe, ist es mir immer noch schwergefallen, auch nur vier Katas zu finden, wo ich mir sicher war, daß ich keinen der 5-10 Bewegungsabläufe vergesse.
  • Ich habe praktisch kein Zeitempfinden. Wenn mich jemand fragt, wie lange etwas ungefähr dauert, habe ich absolut keine Ahnung ob es nun zehn Minuten oder eine Stunde ist - es sei denn ich hätte die Zeit in weiser voraussicht mal mit der Uhr gemessen und aufgeschrieben. Oft weiß ich nicht an welchem Wochentag ich etwas getan habe, meist nicht, wie alt ich bin, ich muß ziemlich überlegen, ehe ich darauf komme ob etwas eher fünf oder zehn Jahre her ist. Um mein Geburtsdatum auswendigzulernen brauchte ich bis zum Beginn der 7. Klasse.
  • Ich habe immer noch Probleme herauszufinden welche Seite gemeint ist, wenn jemand "rechts" sagt. Es sei denn ich könnte ihn beobachten, wohin er schaut oder deutet. Wegbeschreibungen kann ich mir praktisch überhaupt nicht merken. Dafür habe ich jahrelang gegrübelt, warum die Leute mich so merkwürdige Dinge fragen, wie ob ich Karte lesen kann. Erst als Jugendliche habe ich dann begriffen, daß andere Leute das erst lernen müssen. Ich bin auch auf der Straße automatisch immer auf der richtigen Seite gefahren.
  • Rein körperlich bin ich unfähig mit Streß umzugehen - rein geistig kann mich fast nichts aus der Ruhe bringen. So lange es mir gelingt, meine Gefühle so zu beherrschen, daß ich keinen Streß empfinde, läuft alles wie es sollte. Ist mir das aus irgendeinem Grund nicht gelungen, kriege ich die einfachsten Dinge nicht mehr geregelt. Sagen wir mal eine saubere Kopie einer Zeichnung machen oder mit dem Taschenrechner zehn zweistellige Zahlen richtig zusammenrechnen. Dafür kann ich mir immer noch ein komplettes Haus samt statischer Zusammenhänge im Kopf anschauen und mittels geistigem Spaziergang erkunden.
  • Ganz oft wußte ich in der Schule eine Frage deshalb nicht zu beantworten, weil mir nicht klar war, welche von den zehn richtigen Antworten, die mir sofort in den Sinn kamen, erwartet wurde.
Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß ich in allen Bereichen des Denkens, die der linken Gehirnhälfte zugeschrieben werden, miserabel bin. All diese Schwächen gleiche ich mit Fähigkeiten aus, die der rechten Gehirnhälfte zugeschrieben werden. - Solange mich niemand mit Gewalt daran hindert.

Sowohl meine Schwächen als auch meine Stärken spotten jeder Beschreibung. Zwar habe ich hier meine Stärken nicht allzudeutlich beschrieben (ich wüßte im Augenblick auch nicht, wie ich das tun sollte.) - aber es spricht für sich, daß ich nach meiner Lehre zwei Arbeitgeber hatte und beide waren voll des Lobs. So extrem, daß ich mich einfach nur noch peinlich berührt fühlte. - Das wäre bei solchen Schwächen nie möglich, wenn meine Stärken nicht ebenso - unglaublich - wären. So daß insgesamt ein ein wenig überdurchschnittlicher Eindruck entsteht.

Im Großen und Ganzen hat mir diese unglaubliche Sammlung an Stärken und Schwächen das Leben sehr schwer gemacht. Meine Intelligenz machte die Schule für mich zu zwei Dritteln zu einer totlangweiligen Angelegenheit. Zu einem Drittel war sie nur langweilig. Denn beim ersten Durchnehmen geht der Lehrer meiner Ansicht nach schon unerträglich langsam vor - und danach wird alles noch einmal wiederholt - und ein zweites mal zu Beginn der nächsten Stunde. Um nicht völlig in eine Fantasiewelt abzudriften, wurde ich zum Meister im Erfinden von Nebenbeschäftigungen, die mich genau so sehr beschäftigen, daß ich noch alles verstehe. (Fantasie ist nützlich.) Dennoch hatte ich nie sonderlich gute Noten - einerseits wegen meiner Rechtschreibfehler, andererseits, weil ich mich nur für die Inhalte des Unterrichts interessierte - im Gymnasium war ich unglücklicherweise oft auch noch besser informiert als die jeweiligen Fachlehrer, was das Ganze schon beim ersten Durchgang totlangweilig machte und den mußte ich unbedingt mitbekommen, selbst wenn ich es besser wußte als der Lehrer... Aber für die Noten interessierte ich mich nicht. Hinzu kam, daß ich meine Hausaufgaben nie machte. Glücklicherweise bekamen das Lehrer nur mit, wenn sie die Hefte kontrollierten, - also im Gymnasium praktisch nie - weil ich die Fragen dazu meist aus dem Stehgreif beantworten konnte. Außerdem kam noch dazu, daß ich wie wohl die meisten Schüler meist alles so erklärte, daß ich es auf Anhieb verstanden hätte - was nur allzuoft dazu führte, daß ich die einzige war, die es verstand... Inzwischen ist es mir hoffentlich gelungen mich zu bessern indem ich immer wieder nachprüfe, ob meine Leser mich verstehen und wenn nicht, wie die Mißverständnisse zustandekommen. In diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank an jeden, der mir Kritik zukommen ließ und läßt.

Kersti

O2: Kersti: Toleranz als Fähigkeit, OI2.
O3: Kersti: Ist in der Schule das Denken verboten?, OI3.
O4: Kersti: Unterbindet Ausgrenzung in der Schule soziales Lernen?, OI4.
O6: Kersti: Hochbegabung als Verständigungshindernis, OI6.
VB14. Kersti: Wie lernt man etwas grundsätzlich Neues dazu?
VB15. Kersti: Lernen: Zwischen den Stühlen
V22. Kersti: Sektenstrukturen in der normalen Gesellschaft
V23. Kersti: Sucht - seelische Ursachen
V111. Kersti: Warum ich "gut" mit "vernünftig" gleichsetzte
V112. Kersti: Telepatie: Jemand, der mich versteht
V113. Kersti: Aura: Wenn niemand eine Antwort weiß
V114. Kersti: Ausgrenzung: Ich bin zu stolz, um gegen mein Gewissen zu handeln
V146. Kersti: Wahre Weisheit klingt naiv
V159. Kersti: Warum ich nicht hasse
V166. Kersti: Außenseiter: Das Opfer ist schuld?
V167. Kersti: 17-jährige Gruppenführer verhindern Ausgrenzung wirksamer als Lehrer
V168. Kersti: Meckerrunde
V169. Kersti: Ein professionelles Layout?
V170. Kersti: Satire: Finanzielles Sanierungskonzept für Burg Ludwigstein
V171. Kersti: Außenseiter: Es tut in der Seele weh, das zu beobachten
V172. Kersti: Ein echt guter Rat
V248. Kersti: Spielverderber - oder - Wer sind die Guten?
V249. Kersti: Ein telepathischer Traum
V253. Kersti: Manchmal frage ich mich: "Leben wir überhaupt in derselben Welt?"
V254. Kersti: Entwickelt sich bei uns eine multikulturelle Gesellschaft?
V255. Kersti: Einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten...
V265. Kersti: Der Unterschied zwischen Kopfblind und verblendet
V266. Kersti: Wieso mir der Begriff "Kopfblind" gefällt
V277. Kersti: Das Prinzip der Narrenfreiheit
V299. Kersti: Der Unterschied zwischen Elitebewußtsein und Standesdünkel
V300. Kersti: Ohne eigene Erfahrungen keine zutreffende Theorie
V301. Kersti: Um Außenseiter zu integrieren, muß man die Gemeinschaft ändern, die ausgrenzt
V302. Kersti: Strafe dafür, daß man etwas schon vor den anderen kann
V306. Kersti: Eine rein körperliche Unfähigkeit, mit Streß umzugehen
V313. Kersti: Einserzeugnis als Gefahrenzeichen
VA50. Kersti: Denken verboten Schilder...
VA53. Kersti: Sind Schläge oder nicht Schläge in der Erziehung wirklich so wichtig?
VA61. Kersti: Kritikfähigkeit hat zwei Seiten
VA62. Kersti: Falsche Zuordnung von Erinnerungen
VA79. Kersti: Wenn das ganze Leben plötzlich Magie wird...
VA80. Kersti: Wie komme ich zu meinen merkwürdigen Fähigkeiten?
VA89. Kersti: Ist Erleuchtung vielleicht ziemlich blöd, wenn man sie erreicht?
VA166. Kersti: Eine Schule für Indigokinder?
VA231. Kersti: Wenn man zu anders ist, besteht das halbe Leben aus Mißverständnissen - und die andere Hälfte aus Einsamkeit
VA233. Kersti: Gedankenkristalldenken fühlt sich für mich eher wie sehen als wie denken an
VA263. Kersti: Haben Kinder mit ADHS eine unrealistische Selbsteinschätzung?
VA264. Kersti: ADHS: Schwäche oder Dominanz der rechten Hirnhälfte?
VA265. Kersti: ADHS: Ein wenig ausgeprägtes Bestrafungs- und Motivationssystem im Gehirn?
VA267. Kersti: Die Spanne zwischen Dogmatismus, Kreativität und Chaos - oder - Ist Ritalin bei ADHS Doping?
VA268. Kersti: Warum mich Bücher über ADHS oft wütend machen
VA272. Kersti: Wenn meine Beispiele alle von mir handeln - heißt das etwa, daß ich selbstbezogen bin?
VA274. Kersti: Sprachverwirrung durch ADHS-Wahrnehmung oder Langweilige Routineaufgaben sind nicht langweilig
VA283. Kersti: Sehr hohe Soziale Kompetenz von Kindern als Hindernis für das Verständnis des Sozialverhaltens weniger kompetenter Menschen
VA286. Kersti: Wie finde ich heraus, was das richtige Niveau für einen hochbegabten Schüler ist?
VA290. Kersti: Magische Hochbegabung
VA306. Kersti: Was bringt einen halbwegs vernunftbegabten Menschen dazu einen solchen Mist zu glauben?
VA310. Kersti: Ein esoterisches Weltbild hat kaum Einfluß auf das Alltagsleben
VA311. Kersti: Welche Auswirkungen haben Erinnerungen an frühere Leben auf dieses Leben?
S2. Lied: Ich träume gerne, MP3
S3. Lied: Nur wer das Dunkel kennt, MP3
S4. Lied: Du bist wie ein Traum, MP3
S6. Lied: Tanz ins Licht, MP3
S7. Lied: Weg, mein Weg, wo führst du mich hin?, MP3
S8. Lied: Es ist eine Zeit der Stille, MP3
S12. Lied: Meine Tränen sind Lieder, MP3
S13. Lied: Neue Lieder will ich singen, MP3
S14. Lied: Regenbogenwanderer, MP3
S15. Lied: Weine, kleines Mädchen weine, MP3
S16. Lied: Es kann die Ehre dieser Welt (Text: Theodor Fontane), MP3
S18. Lied: Lied meiner Seele, MP3
S28. Lied: Sternengeborgen, MP3

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.